Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 273

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 273 (sequence 274)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2644300-2644309--4076-2648425
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Kundschaft zu arbeiten. Nach dem Handwerksprivileg, das Kaiser Ferdinand III. den Juden Böhmens am 8. April 1648 erteilt hat, wäre die Beschränkung des Handwerkes auf die jüdische Kundschaft überflüssig gewesen; es zeigt jedoch, wie wenig sich einige Stadtmagistrate und Herrschaften um die den Juden gewährten Rechte kümmerten. Die Zahl der Nachoder Juden nahm nach dem Dreißigjährigen Kriege rapid zu, ebenso nahm auch ihr weitverzweigter Handel einen raschen Aufschwung. Besonders große Handelsgeschäfte betrieb der Nachoder Jude Elias Pressnitz (Bresnitz) mit Mesulan-(Halbleinen) Ware. Zwanzig Jahre hindurch kaufte er Mesulan um 3000 fl. jährlich, zu 7% fl. das Schock Ellen, von einem christlichen Kaufmann von Glotz, von anderen christlichen und jüdischen Kaufleuten wieder um viele tausende Gulden jährlich. Elias Bresnitz erlitt jedoch große geschäftliche Verluste, so daß er in Zahlungsschwierigkeiten geriet. Von Glotz schuldete er 4000 fl., den anderen Kaufleuten insgesamt 3000 fl. Bresnitz sah sich am 28. Feber 1662 genötigt, beim Kaiser um Gewährung eines Moratoriums einzureichen.10 Wegen großer Geschäftsverluste und ,,wegen der aufgebürdeten Kontributions- und anderen Zahlungen", schrieb er an den Kaiser, könne er seine Schulden nicht begleichen. Um nicht ganz in Ruin gestürzt zu werden, bitte er, von ihm eine Abschlagszahlung von 100 fl. jährlich anzunehmen. Kaiser Leopold I. erläßt am 15. April 1662 an die Statthalter ein Dekret ergehen, sich über die Beschaffenheit der Dinge zu informieren und das ihnen richtig Erscheinende zu veranlassen. Die Statthalter beauftragen demgemäß am 31. Mai 1662 die Hauptleute des Königgrätzer Kreises, die Kreditoren zu vernehmen und darüber einen Bericht zu erstatten. Die Nachforschungen der Kreishauptleute fielen zugunsten von Bresnitz aus, so daß ihm die Statthalter, laut ihrem Dekrete vom 7. Juni 1662, das Moratorium bewilligten. Tragischer für ihn endete jedoch die Brandkatastrophe, von der wir im folgenden berichten. Z. Die Brandkatastrophe. Plötzlich und unerwartet brach über die gesamte Bevölkerung der Stadt Nachod ein ungeheueres Unglück herein. Donnerstag den 17. Mai 1663 entstand im Hause des Elias Bresnitz ein Feuer, das rasch um sich griff. Die Flammen schlugen auf die benachbarten Häuser der Juden über, die wieder die Häuser der übrigen Stadt ansteckten, so daß in wenigen Augenblicken die ganze Stadt ein einziges Feuermeer bildete und in einer Stunde fast alles in Schutt und Asche legte. Das Feuer verbreitete sich mit einer solchen Geschwindigkeit, daß in der Judengasse 16 Personen, zumeist Frauen und Kinder, ein Opfer der Flammen 3 273

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.