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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 251

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 251 (sequence 252)
Language
German
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IRI
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Aktion, die zum Zwecke hatte, einen vollständigen Überblick über die Stärke und Siedlungsweise der Juden in Böhmen zu geben, so rasch als möglich beendet werden sollte, und zwar wie es scheint, bis zur Session des böhmischen Landtags im Jahre 1650, der Richtlinien ausarbeiten und das weitere Vorgehen der amtlichen Kreise gegen die Juden festsetzen sollte. Da jedoch die Hauptleute des Bechyner, Kauf imer, Leitmeritzer, Elbogener, Pilsener und Schlaner Kreises die verlangten Berichte nicht rechtzeitig ablieferten, verordneten ihnen die Statthalter, daß sie dies alsbald zu tun hätten, da diese Spezifikation notwendig gebraucht würde; es wurde ausdrücklich erinnert, daß die einzusendenden Berichte genau sein sollen und jede Frage von Grund auf zu beantworten sei. Tatsächlich erstatteten denn auch im Laufe des November alle Kreise ihre Berichte, bloß die Beamten der Raudnitzer und Schlaner Herrschaft weigerten sich, es zu tun, da sie dazu nicht die ausdrückliche Genehmigung ihrer Obrigkeit besäßen. Die Statthalter ordneten deshalb den Hauptleuten des Schlaner Kreises an, daß die Beamten der genannten Herrschaften binnen acht Tagen die ausführliche Spezifikation einsenden und für den Fall der Nichtbefolgung sich auf der böhmischen Kanzlei in Prag einfinden sollten, um sich dort persönlich zu verantworten. Wie schon oben bemerkt, haben sich von dem ganzen umfangreichen und für die Geschichte der Juden in Böhmen sehr wertvollen Material, soweit bekannt, nur einige Relationen erhalten, die manche interessante Einzelheiten darbieten. Böhmisch-Leipa gab dem Hauptmann Hennig Tluksa Bradlecky von Metschkau, dem Verwalter von Neuschloß und Böhmisch-Leipa, bekannt, daß sich unter der früheren Herrschaft (der Herren von Wartenberg) ein Jude9 in der Stadt ohne Bewilligung angesiedelt habe, der es verstanden habe, sich die Gunst der Obrigkeit derart zu erwerben, daß sie es zuließ, daß noch mehr Juden in die Stadt zuwanderten, die in der Vorstadt wohnten, wo ihnen im Jahre 1650 elf Häuser gehörten. Im Laufe der Zeit und mit Wissen der Obrigkeit begannen die Juden sich nach dem Berichte des Magistrates die Häuser nach ihrer Art einzuteilen und sich in den Handel und die bürgerlichen Gewerbe einzumischen, wodurch die armen christlichen Handwerker in ihren Unternehmungen erheblich geschädigt wurden; zudem kam es zwischen Christen und Juden zu ständigen Streitigkeiten und Reibereien, denn die Juden hausierten an Sonntagen und geweihten Feiertagen, da die Christen ihre Läden geschlossen halten mußten, heimlich in der Stadt und auf den Dörfern, trieben ihre Außenstände ein und lenkten so die Christen vom Kirchenbesuche ab. Die 9 251

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