Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 247)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2644300-2644309--4049-2648398- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Neubidschoxti* Bei der ersten, auf Befehl der Prager Statthalter im Jahre 1638 durchgeführten Zählung der Juden wurden im Bidschower Ghetto 86 erwachsene Personen und Kinder gezählt, die in elf Judenhäusern wohnten; in den folgenden Jahren sank deren Zahl erheblich, so daß acht Jahre später, im Jahre 1646, nach den von den Kreishauptleuten Adam Rodovsky von Hustifan und Dietrich Myska von Zlunitz und auf Radikowitz erstatteten Berichten im Ghetto bloß sieben Haushaltungsvorstände und deren 30 Angehörige (Gattinnen und Kinder beiderlei Geschlechtes), wohnten. „Und diese", führt die Konskription der Bidschower Juden im Jahre 1650 an, „verstreuten sich, da damals ein feindlicher Inkurs in diesen Kreis und selbst bis in die Stadt Neubidschow erfolgte, dahin und dorthin und manche von ihnen starben in den benachbarten Orten." Nach der Vertreibung der Schweden aus Böhmen kehrten die Juden wieder in ihre Häuser in der Stadt zurück, von denen jedoch nur sechs bewohnbar waren, denn „die anderen Häuschen waren bei jenen Soldateneinfällen dem Ruin anheimgefallen." Die Entwicklung des Neubidschower Ghettos, dem die nachweißenbergische Zeit trotz aller Reduktionsbemühungen ein kräftiges Aufblühen gebracht hatte, wurde zu Beginn der Vierzigerjahre des 17. Jahrhunderts plötzlich aufgehalten, was sich in der starken Abnahme der Population bei den Juden, deren Zahl im Jahre 1646 gegenüber dem Stande vom Jahre 1638 um nahezu 57 Prozent sank, bemerkbar machte. Allein dieser Abgang, der einzig und allein dem Schwedeneinfall und den damit verbundenen Folgen zuzuschreiben ist, wurde zum größten Teil bis zum Jahre 1650 wettgemacht, einmal durch die Rückkehr der Judenfamilien in die Stadt und weiter auch dadurch, daß die Juden untereinander Frühheiraten abschlössen, und daß die Populationsfähigkeit der jüdischen Rasse größer war als die der Christen. Ein Verzeichnis vom Jahre 1650 führt im Bidschower Ghetto außer sechs Wohnhäusern noch eine Schule samt einem Häuschen an, in dem der Kirchendiener wohnte, und ein Spital, in welchem die jüdischen Kinder unterrichtet wurden. In dem Verzeichnisse sind 73 Juden beiderlei Geschlechtes angeführt, unter denen sich 16 Wirtschaftsführende (Ansässige) und 85 Personen unter 17 Jahren befanden. (Beilage I.) Königinhof Laut des dem Kustos vom Magistrate eingesendeten Berichtes war in der betreffenden Zeit und auch sonst in früheren Zeiten in der Stadt „niemand von diesem Geschlechte ansässig", und hielt sich auch zur Zeit dort nicht auf.5 246 4