Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 224)
- Language
- German
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führung der Verordnung vom 10. Mai bis auf weitere Anordnung zu warten. Diese Untersuchung wurde am 19. Juli von dem Iglauer Kreishauptmann, der sich zu diesem Zwecke nach Teltsch begab, in Anwesenheit von obrigkeitlichen Beamten, einer städtischen Ratsdeputation und der streitenden Parteien durchgeführt. Als Ergebnis derselben wurden laut Bericht des Kreishauptmanns vom 25. Juli folgende Tatsachen festgestellt: In den beiden, im Jahre 1622, bzw. 1624 in jüdischen Besitz übergangenen Häusern trieben die ersten Besitzer, die Vorfahren der Brüder Herschel und Jakob Isak, Handel mit verschiedenen Waren. Laut Aussage der Stadtdeputierten hätte ,,schon des Herschel Isaks Groß Vater sich auf den Specerey und Farben Handl verlegt und solchen ohne von jemand gehindert zu werden, fortgetrieben, wie solches ein ohngefähr 80 jähriger städtischer Bürger namens Mathias Zelischka bestätigt, welcher als ein Tuchmacher zu seinen Handwerk das benöthigte Farben Material von besagten Juden auf den Lohn für die ihnen Juden verfertigte Tücher eingehandelt." Laut Aussage der Juden hätten ihre Vorfahren seit dem Jahre 1675, sie selbst seit 40 Jahren mit Spezerei und Farbenwaren in Teltsch gehandelt, mithin ,,noch vor der Existirung deren jetzigen christlichen Handelsleute", da Johann Müller erst vor ungefähr 20 Jahren als Handelsmann und Martin Lustig vor 12 Jahren als Fragner in Teltsch sich niedergelassen und den Spezereiwarenhandel begonnen haben. Zwar behauptet Johann Müller, daß die Juden vor seiner Etablierung in Teltsch keine Spezerei- und Farbwaren verkauft haben, da er sich in diesem Falle nicht in Teltsch niedergelassen hätte, doch bestätigen die obrigkeitlichen Beamten die Tatsache, daß schon vor mehr als 40 Jahren Kaffee, Zucker und andere Spezereiwaren für den herrschaftlichen Bedarf von den Juden geliefert wurden, wie dies auch noch heute der Fall sei. Die Ratsdeputierten erklärten auch, daß ,,die Stadt Teltsch46 gegen den Spezereihandel der Juden umsoweniger etwas einzuwenden habe, als sie die Existenz von mehreren Spezereihändlern als vorteilhaft für die Stadtbewohner erachte, da sie besser und billiger bedient werden. Schließlich wird amtlich bestätigt, daß die Brüder an Schutzgeld der Obrigkeit 50 fl. und der Stadt 14 fl. als „Gewerbs Beitrag 1 fl. 36 kr. und an jüdischen Contributionali" 245 fl. für die ganze jüdische Gemeinde jährlich entrichten. Dieser Bericht wurde von der königl. Repräsentanz und Kammer dem Consessus Commercialis zur gutachtlichen Äußerung übermittelt, dessen Gutachten vom 14. August dahin lautete, daß durch die gründliche Untersuchung des Kreishauptmannes die Sachlage in einem neuen Lichte erscheine. Der Subdelegierte hätte in seinem ersten Gutachten 25 223