Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 200)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Juden in Teltsch Von Dr. Michael Rachmuth Über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Teltsch (Mähren), die noch im Jahre 1921 93 Seelen zählte,1 ist mit Ausnahme von einigen wenigen kurzen Notizen in der Geschichte der Stadt und Herrschaft Teltsch von Beringer und Janousek bisher nichts veröffentlicht worden. Und doch bietet uns auch die Geschichte dieser kleinen jüdischen Gemeinde Geschehnisse von allgemeinem Interesse. So z. B. die sonst selten zu findende Tatsache, daß sich die Stadt im Jahre 1650 von ihrem Grundherren Wilhelm Grafen Slawata die Festsetzung eines Numerus clausus von bloß drei jüdischen Familien durch die Verpflichtung erkaufte, daß sie für alle Zukunft eine Judensteuer (2idoplat) per 30 fl. in zwei Halbjahrsraten an die gräfliche Rente abführen werde. Auch der Prozeß gegen die im Jahre 1667 des betrügerischen Bankerotts angeklagten Brüder Josef und Moses Hesky ist nicht ohne allgemeines Interesse, da hier ein Fall obrigkeitlicher Justiz gegen bankerotte Juden, wenn die Gläubiger Christen waren, vorgeführt wird. Schließlich wird uns hier auch gezeigt, daß die christlichen Handelsleute nicht nur, wie dies in allen Städten Böhmens und Mährens der Fall war, gegen die Konkurrenz der jüdischen Händler immer wieder bei den obrigkeitlichen und staatlichen Behörden Beschwerde führten, sondern auch darüber, daß die letzteren in ihren Läden (wie in einem modernen Warenhause) eine größere Anzahl verschiedener Warengattungen feilbieten. Interessant sind auch die Gründe, welche die Teltscher Juden dafür anführen, daß der jüdische Händler sich nicht wie der christliche in seinem Handel auf eine einzige Warengattung spezialisiere. Als Quellen für diese Studie wurden ein im Neuhauser czernin'schen Archiv, sign. VAJ erliegender Aktenfaszikel, sowie auch die Aktenfaszikel, sign. J 207 und T 67, des Mährischen Landesarchivs benützt. Zu den Besitzungen der Herren von Neuhaus, die nach dem Aussterben der männlichen Sprossen dieses Geschlechtes (24. Jänner 1604) an Wilhelm Slawata von Chlum und Koschumberg übergingen, gehörte auch die Teltscher Herrschaft mit dem Städtchen Teltsch in Mähren, wo schon im 16. Jahrhundert Juden wohnhaft waren. Über die erste Ansiedlung von Juden in diesem Städtchen besitzen wir keine Nachrichten. Die Behauptung Fleschs,2 daß die Teltscher jüdische Gemeinde 1 199