Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 192)
- Language
- German
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trag II. in der Chronik des sogenannten Correctors, d. i. in der Fortsetzung der Chronik Emek Habacha. Die Stelle lautet in deutscher Übersetzung:53 „Der Kaiser Ferdinand (I.) wollte alle Juden, die sich in Böhmen, in Prag wie in den übrigen Städten seines Reiches befanden, vertreiben, und hatte dies bereits eidlich gelobt, und als sich die Juden deshalb zu ihm begaben und bei ihm eine Fürbitte thaten, und auch die Bewohner von Prag ihn fußfällig baten, ihnen dies nicht zu leide zu thun, da die Juden dieses Land bereits vor der Zerstörung des Tempels bewohnt hätten, fuhr er sie hart an und wollte ihnen kein Gehör schenken, denn er sagte, daß er dies bereits eidlich gelobt hätte. Hierauf schickten die Juden an den Papst Pius (IV.), damit dieser irgend ein Motiv ausfindig machen möchte, ihn seines Gelübdes und seines Eides zu entbinden, was derselbe auch that. Trotz dessen legte sich sein Zorn nicht, und er hielt seine Hand noch immer erhoben. Seine Söhne jedoch waren gnädige Regenten, leisteten den Juden Beistand und sprachen zu denselben: Fürchtet euch nicht, bleibet im Lande, treibet darin Geschäfte und werdet (brauchbare) Männer, dann könnt ihr sicher im Lande weilen. Als der Kaiser Ferdinand alt geworden war und auf dem Siechbette lag, leitete sein Sohn Maximilian die Geschäfte seines Hauses und sprach schon damals über die Bewohner seines Landes, welche nach seinem Bescheide aus und einzogen, Recht. Als Ferdinand über die Juden Erkundigungen einholte, erwiderte er: die Juden haben bereits einen kaiserlichen Bescheid erhalten und das Land verlassen; es ist von ihnen niemand mehr daselbst übrig geblieben. Hierauf dankte jener Gott, starb und ward eingethan zu seinen Ahnen." Wer die einzelnen Angaben dieser Erzählung prüft, wird bemerken, daß Wahres und Falsches, Glaubwürdiges und Unglaubwürdiges miteinander abwechseln. Es ist glaubwürdig, daß Ferdinand Gesandte der böhmischen Juden, als sie ihn (um weitere Duldung) baten, mit harten Worten abgewiesen hat, aber es ist unglaubwürdig und geradezu unsinnig, daß die Einwohner von Prag Ferdinand fußfällig gebeten hätten, die Juden nicht zu vertreiben, weil sie schon vor der Zerstörung des Tempels in Böhmen gewohnt hätten.54 Es ist zutreffend, daß die Söhne des Kaisers (gemeint sind Maximilian II. und Erzherzog Ferdinand) sich den Juden gnädig erwiesen (indem sie jeweils als Fürsprecher für sie beim Kaiser erschienen), aber es ist falsch, daß sie die Juden, welche der Kaiser vertreiben wollte, ermuntert hätten, im Lande zu bleiben.55 Es ist eine tolle Phantasie, daß Maximilian II. seinen todkranken Vater gröblich hintergangen hätte, um die Juden zu schützen, aber es ist wahr, daß Ferdinand I. im Frühjahr 1564, also wenige Monate vor seinem Tode, Maximilian II. die Leitung der Staatsgeschäfte übertragen hatte.56 Dieses seltsame Gemisch von Wahrheit und Dichtung zeigt sich auch in den Angaben, 190 20