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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 189

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 189 (sequence 191)
Language
German
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und es hat auch die römische Intervention weder 1562 noch 1563 den Kaiser bestimmt, sich wieder der Juden anzunehmen. Das Ergebnis ist also: der Satz der Grabinschrift „Er (M.) ließ durch den Papst den Kaiser seines Eides entbinden" steht mit der geschichtlichen Wahrheit in Widerspruch und muß preisgegeben werden. Dasselbe gilt von dem Kommentar zu diesem Satz in der Anmerkung im Zemach David. Die Feststellung, daß der oft erwähnte Satz der Grabinschrift und der größte Teil der Anmerkung im Zemach David der geschichtlichen Wahrheit nicht entsprechen, führt zu einem neuen Problem. Wie ist es zu erklären, daß in der Grabinschrift die Aufhebung des Eides Ferdinands I. als ein Werk Mardochais hervorgehoben wird, da es doch keinen solchen Eid gegeben hat? War das eine Erfindung Salomos? Eine solche Frage birgt in sich schon die Antwort: nein. Es ist (bei Juden und Nichtjuden) niemals üblich gewesen, Tote durch Erfindungen zu ehren. Der Satz: „De mortuis nil nisi bene" hat oft in Grabinschriften zu Übertreibungen geführt, aber doch nicht zu einem reinen Spiel der Phantasie, zur Erfindung. Wenn also Salomo in der Grabinschrift die Aufhebung des Eides als eine Tat seines Vaters rühmte, so müssen wir annehmen, daß er von ihrer Wahrheit überzeugt war. Und wenn Salomo in der Anmerkung im Zemach David behauptet, sein Vater Mardochai habe die Juden gerettet und das sei unter ihnen bekannt, so werden wir auch hier annehmen müssen, daß er nicht den geringsten Zweifel daran gehabt hat, daß Kaiser Ferdinand I. wirklich geschworen habe, die Juden zu vertreiben, daß Mardochai die Aufhebung dieses Eides erwirkt habe und daß dies eine bekannte Tatsache sei. Wiederum kommen wir zur Frage: wie ist dies alles zu erklären, wie konnte Salomo etwas als das Verdienst seines Vaters rühmen, was sich nie ereignet hatte? Wir müßten viel mehr über Salomo und Mardochai wissen als bisher bekannt ist,52 um eine solche Frage mit einiger Sicherheit zu beantworten. Wir müssen uns daher mit Vermutungen behelfen. Sie gehen von der Tatsache aus, daß die Grabinschrift und die Anmerkung aus dem Jahre 1592 stammen. Mehr als 30 Jahre waren vergangen, seit Ferdinand I. die Ausweisung der Juden aus Böhmen verfügt hatte. Von den Opfern dieser Verfügung, von den jüdischen Männern und Frauen aus der Zeit Ferdinands I. dürften die meisten bereits verstorben gewesen sein, als der Grabstein Mardochais aufgestellt wurde. Das Durchschnittsalter der Menschen war in jener Zeit geringer als heute. Ein neues Geschlecht war herangewachsen. Was wußte es von den Ereignissen, die vor einem Menschenalter ihren Vorfahren so viel Leid gebracht hatten? Eine jüdische Geschichtsquelle, die schon früher erwähnt worden ist, gibt uns Auskunft. Es ist der Nach- 19 189

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