Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 190)
- Language
- German
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Sohne in Prag und in den anderen Dokumenten der Jahre 1557—1564 der Eid niemals erwähnt wird und warum Nachforschungen nach einem päpstlichen Schreiben in Betreff dieses Eides in den Archiven von Wien und Rom erfolglos geblieben sind.50 Die Grabinschrift und die Anmerkung im Zemach David behaupten jedoch, daß Mardochai nach Rom gereist sei, um die Lösung des Kaisers von dem Eide zu erwirken. Fällt nun auch die Reise Mardochais nach Rom weg? Es liegt kein Grund vor, in diesem Punkte den beiden Quellen zu mißtrauen. Mardochai kann nach Rom gereist sein, auch wenn es keinen Eid des Kaisers gegeben hat. Die Reise kann zu einem anderen Zwecke unternommen worden sein und dieser Zweck ist schon in der Schrift von Zuns angegeben worden. Mardochai könnte nach Rom gereist sein, um den Papst um Hilfe für die Juden zu bitten. Zuns und ihm folgend spätere Forscher haben angenommen, daß die Reise Mardochais im Jahre 1561 erfolgt sei. Den wirksamen päpstlichen Schreiben an den Kaiser, die er vermittelte, sagt Zuns, sei bald die Zurückberufung der vertriebenen Juden gefolgt. Hock hat sogar geglaubt, diese Zurückberufung noch genauer ansetzen zu können, nämlich zum Frühjahr 1562. Das ist falsch, von einer Zurückberufung der bereits ausgewanderten Juden im Jahre 1562 oder später kann nicht die Rede sein. Aber wie steht es mit der Angabe von Zuns, daß die Reise Mardochais in das Jahr 1561 zu setzen sei? In den Akten des Jahres 1561 findet sich nichts, was diese Behauptung unterstützen könnte. Dagegen geht aus einem Dokument des Jahres 1562 hervor, daß im März oder Anfang April Nuntius Delfino, sei es von Kardinal-Staatssekretär Borromeo oder vom Kardinal-Kämmerer Santa Fiore beauftragt worden ist, die Juden dem Kaiser zu empfehlen.51 Das ist sicherlich nur auf Bitten der böhmischen Juden geschehen und solche Bitten könnte Mardochai in Rom vorgebracht haben. Er könnte also in den ersten Monaten des Jahres 1562 die Reise nach Rom unternommen haben. Es ist jedoch ebenso gut möglich, daß Mardochai im Sommer 1563 nach Rom gereist ist, denn im August dieses Jahres haben die böhmischen Juden den Papst in der eindringlichsten Weise um Hilfe gebeten, wie aus der früher erwähnten Weisung von Borromeo an Nuntius Delfino vom 21. August hervorgeht. Da die Grabinschrift und die Anmerkung im Zemach David nur von einer Reise Mardochais nach Rom sprechen, muß es dahin gestellt bleiben, ob diese Reise 1562 oder 1563 unternommen worden ist. In der Anmerkung im Zemach David wird erzählt, daß Mardochai das päpstliche Schreiben, mit welchem der Kaiser von seinem Eide gelöst worden sei, diesem überbracht habe und daß dieses Schreiben die Wendung herbeigeführt und der Kaiser sich wieder der Juden erbarmt habe. Ein solches Schreiben des Papstes Pius IV. ist niemals erlassen worden 188 18