Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 189)
- Language
- German
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lian II. vom 8. März 1560 sich für die weitere Duldung der Juden in Böhmen verwendet und im Juli 1563 den Kardinal-Staatssekretär Borromeo bestimmt, in diesem Sinne an Nuntius Delfino zu schreiben, wie aus der Weisung vom 14. Juli an diesen hervorgeht. Das Schreiben an Maximilian II. vom 8. März 1560 ist uns noch erhalten und ebenso die Weisung an den Nuntius vom 14. Juli 1563. Aus beiden geht klar hervor, daß der Kardinal-Kämmerer von dem Eid oder Gelübde des Kaisers ebenso wenig wußte wie die päpstlichen Nuntien in Wien. Auch Papst Pius IV. war nicht besser unterrichtet. Er ließ am 21. August 1563 an Nuntius Delfino schreiben, beim Kaiser entsprechende Schritte zu tun, damit er gegen die Juden Milde walten lasse. Hier wäre die beste Gelegenheit gewesen, von dem Eide Ferdinands zu sprechen, aber das geschah nicht, gewiß nur deshalb, weil der Papst nichts davon wußte. Aber nicht nur die Söhne des Kaisers, die päpstlichen Nuntien, der Kardinal-Kämmerer, sowie der Papst selbst haben von diesem Eide nichts erfahren. Auch der kaiserliche Sekretär Niclas Walter wußte davon nichts. Er erzählt in einem hübschen Briefe vom 7. April 1563, den er an seinen Amtskollegen Kaspar von Lindeg, den Sekretär Maximilians II. richtete, daß er dem Kaiser ein Schreiben Maximilians II. vorgelegt habe. Als er dem Kaiser mitteilte, das Schreiben sei eine Fürbitte für die Juden, sei der Kaiser in hellen Zorn geraten und habe kein Wort von dem Schreiben hören wrollen. Nur mit Mühe sei es ihm gelungen, den Kaiser zu bewegen, sich dieses vorlesen zu lassen. Von einem Eid des Kaisers schreibt der Sekretär nichts. Man sieht daraus, daß Ferdinand, den die neue Fürbitte für die Juden aufs heftigste erregt hatte, sich auch jetzt kein Wort von einem Eide entschlüpfen ließ. Wenn der Sekretär, der seinen kaiserlichen Herrn täglich aus nächster Nähe beobachten konnte, von dem Eide nichts erfahren hat, so werden wir annehmen können, daß auch sonst niemand aus der Umgebung des Kaisers etwas davon gehört hat. Nun könnte man einwenden, das alles sei kein zwingender Beweis gegen den Eid. Ferdinand könnte doch geschworen oder ein Gelübde getan haben, die Juden zu vertreiben, ohne seinen Söhnen oder den päpstlichen Nuntien oder seinem Sekretär usw. etwas davon mitzuteilen. Das ist gewiß möglich, aber wie wäre es dann zu erklären, daß die Juden von Prag und unter ihnen Mardochai Kohen von dem Geheimnis, das der Kaiser so streng gehütet hätte, erfahren haben? Sollte er gerade ihnen mitgeteilt haben, was er den anderen verschwieg? Eine solche Annahme wäre so töricht, daß sie keiner Widerlegung bedarf. Eine andere Lösung des Problems drängt sich gebieterisch auf: Ferdinand hat von dem Eid (Gelübde) geschwiegen, weil er selbst davon nichts wußte, weil er keinen solchen Eid geschworen hatte. Nun wird es klar, warum in dem Briefwechsel zwischen Ferdinand und seinem 17 187