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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 186

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 186 (sequence 188)
Language
German
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möge ihn mit weiteren Fürbitten für die Juden verschonen: „den wir (sind) enntlichen entschlossen sy lenger khains Wegs in unser Cron Beheim zu gedulden."47 In diesen Sehreiben werden von Ferdinand zweierlei Gründe für die Ausweisung der Juden angeführt: zuerst, daß Ferdinand diese Verfügung „aus beweglichen und genuegsamen Ursachen", die dem Erzherzog bekannt seien, getroffen habe und später: wozu er (Ferdinand I.) sich entschlossen habe, das wolle er halten. Andere Motive für die Abschaffung der Juden sind von Ferdinand seinem Sohne nicht mitgeteilt worden. Wenn also Ferdinand sich durch einen Eid oder ein Gelübde verpflichtet hätte, die Juden aus seinen Ländern zu vertreiben, wie es die früher erwähnten Quellen berichten, so hätte er das seinem Sohne verschwiegen.47» Andererseits zeigt sich, daß Erzherzog Ferdinand auch von niemandem anderen etwas über einen Eid des Kaisers erfahren hat. Denn wäre dies der Fall gewesen, so hätte der Erzherzog, der ein ebenso frommer Katholik wie sein Vater war, ihn nicht durch seine Fürbitten für die Juden in Gewissenskonflikte gebracht. Noch am 6. März 1564, zu einer Zeit, als Ferdinand I. bereits erkrankt war, hat der Erzherzog seinen Vater um eine weitere Frist für die Juden gebeten. Das hätte er sicherlich nicht getan, wenn er von einem Eide Ferdinands etwas gehört hätte. Das Gleiche läßt sich von König Maximilian II. sagen. Er hat in den Jahren 1560, 1562 und 1563 für die Juden interveniert. Auch ihm hat Ferdinand I. von einer eidlichen Verpflichtung, die Juden zu vertreiben, nichts mitgeteilt. Die päpstlichen Nuntien am Hofe Ferdinands I., Bischof Hosius und sein Nachfolger Bischof Delfino wußten ebenfalls nichts. Hosius hatte im März 1561 eine Unterredung mit Ferdinand. Er suchte den Kaiser zu bewegen, die Juden ebenso wie früher in Böhmen zu dulden oder ihnen wenigstens eine weitere Frist von einem Jahre zu bewilligen. Ferdinand lehnte beides ab und als Hosius ihm sagte, es sei doch besser, die Juden zum Christentum zu bekehren als sie zu vertreiben und das sei nur möglich, wenn sie noch weiter im Lande bleiben könnten, antwortete der Kaiser, die Juden seien hartnäckig und verstockt.48 Aber daß er sich durch einen Eid gebunden hätte, die Juden zu vertreiben, sagte er dem Nuntius nicht. Auch Nuntius Delfino hatte davon nichts gehört. Das ersieht man aus seinem an den Kardinal-Staatssekretär Borromeo gerichteten Schreiben vom 20. Oktober 1561,49 in welchem sich auch ein Passus über die Ausweisung der Juden aus Böhmen findet. Zu dem gleichen Ergebnis führt ein Schreiben Delfinos an Maximilian II. vom 15. April 1562 (siehe oben). Für die böhmischen Juden war auch der Kardinal-Kämmerer Santa Fiore, der sich „protettore generale di tutti gli ebrei" nennt, eingetreten. Er hat in einem Briefe an Maximi- 186 16

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