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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 185

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 185 (sequence 187)
Language
German
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Mit anderen Worten: die Quellen, welche von dem Eid erzählen, sind zwei oder drei Jahrzehnte später als die anderen, welche von dem Eide nichts wissen, entstanden. In einem solchen Falle ist die Folgerung naheliegend, daß den älteren Geschichtsquellen mehr Glaubwürdigkeit zukomme als den jüngeren. Die Wahrscheinlichkeit, daß den Quellen, die über den Eid des Kaisers schweigen, eher zu glauben ist als den anderen, welche von diesem erzählen, wird zur Gewißheit, wenn wir aus der großen Zahl der gleichzeitigen Dokumente eine bestimmte Gruppe herausheben. ★ Es ist früher erwähnt worden, daß die Juden in Böhmen in ihrem Kampfe gegen die Ausweisung nicht allein gestanden sind, daß Persönlichkeiten von Rang und Bedeutung sich ihrer angenommen haben und als Fürsprecher für sie beim Kaiser aufgetreten sind. Der Eifrigste unter ihnen war Erzherzog Ferdinand. Er hat von 155846 an bis zum Jahre 1564 für sie bei seinem Vater interveniert. Von seinen die Juden betreffenden Berichten aus dieser Zeit sind nur einige auf uns gekommen; von anderen wissen wir aus den Antwortschreiben Ferdinands I., die in größerer Zahl erhalten sind. Aus diesen Schreiben sind einige Stellen hervorzuheben. Am 21. März 1559 schrieb Ferdinand an seinen Sohn, er habe sein Schreiben mit der Fürbitte für die Juden, daß ihnen gestattet werde, über den festgesetzten Termin (Georgi 1559) noch ein ganzes oder halbes Jahr im Lande zu bleiben, erhalten, müsse jedoch diesen Vorschlag ablehnen. Der Erzherzog werde sich erinnern, ,,aus was beweglichen und genuegsamen Ursachen wir uns aigentlich resolvirt die Juden in unsrer Cron Behaim und derselben incorporirten Lendern weiter keins Wegs zu gedulden". Im gleichen Sinne ließ Ferdinand I. ihm am 18. Jänner 1560 schreiben, als der Erzherzog wiederum sich für die Juden verwendet hatte. Klar und jeden Zweifel ausschließend ist ein Schreiben vom 23. Februar 1561: Die neuerliche Fürbitte des Erzherzogs für die Juden wird abgelehnt unter Hinweis darauf, „daß wir uns aus steter und zeitiger Vorbetrachtung einmal ganz und gar entschlossen, bei unsern ausgangnen Generale der Juden-Ausschaffung halber und darüber erfolgten letzten Erstreckung,... zu verharrn und sie ferner und weiter weder auf unser Wohlgefallen noch mit Benennung einichen Termins nit zu gedulden." Sein Verhalten in Sachen der Juden erklärte Ferdinand I. in einem Schreiben an den Erzherzog vom 12. Mai 1561 kurz und bündig: „das so wir uns einmal entschlossen, wollen wir entlichen gehalten haben." Schließlich sei noch ein Sehreiben Ferdinands an den Erzherzog vom 24. Mai 1563 erwähnt. Es heißt darin, Ferdinand habe den Juden noch eine Frist, und zwar bis Bartholomäi 1563 bewilligt. Der Erzherzog 15 185

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