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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 183

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 183 (sequence 185)
Language
German
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IRI
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noch in Böhmen aufhielten, eine Frist bis 1. Mai zu bewilligen. Als diese Frist abgelaufen war und die Juden noch immer im Lande blieben, ergingen neuerlich drohende Erlässe Ferdinands und eine Anzahl wanderte aus. Aber die Juden, die nachweisen konnten, daß ihre Forderungen noch nicht bezahlt worden waren, weiters Kranke und Greise blieben zurück. Ihnen gestattete Ferdinand über den Sommer zu bleiben und schließlich, als er nach einjährigem Aufenthalte Böhmen verließ, bewilligte er am 2. Oktober 1562 allen Juden, die sich noch im Lande aufhielten, eine weitere Frist bis Georgi 1563. Das geschah aus dem bereits früher angegebenen Grund: die Juden waren von ihren Schuldnern noch nicht völlig bezahlt wrorden. Noch vor Ablauf dieser Frist wandten sich die Juden an Maximilian II. und baten ihn um Hilfe. Auf seine Fürsprache kam es zu einer neuerlichen Verlängerung der Frist, aber nur zu einer sehr kurzen, da Ferdinand mit den Juden einmal zu Ende kommen wollte. Es wiederholte sich der gleiche Vorgang wie früher: neuerliche flehentliche Bitten der Juden bei Maximilian IL und Erzherzog Ferdinand und Fürsprache derselben. Ferdinand hatte schon die letzte Fristverlängerung sehr ungern bewilligt und jetzt nach wenigen Wochen sollte er eine zweite bewilligen! Er überwand sich soweit, daß er die Fürsprachen seiner Söhne nicht ablehnte, den Juden wurde wiederum eine Frist bis Bartholomäi (24. August) gewährt, aber das sollte das letzte Mal sein. Ferdinand schrieb am 24. Mai seinen beiden Söhnen, sie möchten ihn mit weiteren Fürsprachen für die Juden verschonen. Diese Rüge nahm sich Maximilian II. zu Herzen, er hat für die Juden bei seinem Vater nicht mehr interveniert und Erzherzog Ferdinand scheint anfänglich seinem Beispiel gefolgt zu sein. Die Lage der Juden war jetzt höchst ungünstig geworden. Sie suchten überall Hilfe zu erlangen, ein einziger Mann gewährte sie ihnen. Es war der Kardinal-Kämmerer Santa Fiore in Rom. Er setzte sich mit dem Kardinal-Staatssekretär Borromeo in Verbindung und wußte ihn zu bewegen, am 14. Juli dem Nuntius in Wien zu schreiben, daß er dem Ersuchen des Kardinal-Kämmerer entspreche und sich für die Juden beim Kaiser verwende. Über den Erfolg dieses Schrittes ist nichts bekannt. Wir sehen nur, daß die Juden ihre Anstrengungen verdoppelten und im nächsten Monat (August 1563) „auf verschiedenen Wegen" so dringende Bitten bei Papst Pius IV. vorbrachten, daß dieser am 21. August 1563 dem Nuntius Delfino den Auftrag erteilte, in vorsichtigen Worten Kaiser Ferdinand I. die weitere Duldung der Juden zu empfehlen. Bevor jedoch dieser Auftrag dem Nuntius zukam,41 war schon von anderer Seite mit Erfolg bei Ferdinand interveniert worden. Die Juden in Prag hatten Erzherzog Ferdinand eine Bittschrift überreicht und um eine weitere Frist gebeten, weil sie noch immer nicht die Bezahlung ihrer Forderungen hätten erlangen können, und zwar 13 183

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