Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 184)
- Language
- German
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Bischöfe Hosius und Delfino zu Interventionen für die böhmischen Juden bestimmte. Wenn auch alle diese Interventionen Ferdinand nicht dazu bewegen konnten, das Ausweisungspatent von 1557 zu widerrufen, so haben sie doch dazu beigetragen, daß er, wie erwähnt, den Termin für den Abzug der Juden bald für kürzere, bald für längere Zeit hinausschob. Zum ersten Male gab Ferdinand 1558 nach, indem er den Juden, die am 27. August hätten abziehen sollen, gestattete, bis Georgi (23. April) 1559 zu bleiben. An diesem Tage mußte allerdings der größte Teil der böhmischen Juden das Land verlassen, nur eine kleine Zahl durfte in Böhmen zurückbleiben,38 auch sie sollten zu Georgi 1560 abziehen. Da trat eine Wendung ein. Der Hofprediger Ferdinands I., Bischof Urban von Gurk, glaubte, die zurückgebliebenen Juden zum Christentum bekehren zu können und erreichte es, daß der Kaiser ihnen (am 23. April 1560) den weiteren Aufenthalt in Böhmen durch ein volles Jahr zum Zwecke der Bekehrung gestattete.39 Diese Vergünstigung wurde bald den bereits ausgewanderten Juden bekannt und eine erhebliche Zahl von ihnen kehrte wieder nach Böhmen zurück. Der Gedanke, zum Christentum überzutreten, lag ihnen völlig fern, dasselbe gilt von den in Böhmen zurückgebliebenen und so kam es, daß die den Juden bewilligte Frist zu Ende ging, ohne daß die Bekehrungsaktion auch nur den geringsten Erfolg gehabt hätte. Im Sommer 1561 wurde ein neuer Versuch gemacht40 und den Juden zu diesem Zwecke eine weitere Frist von Georgi bis Michaelis (23. April bis 29. September 1561) bewilligt. Die Juden in Prag wurden dem stärksten Druck unterworfen, sie mußten selbst Bekehrungspredigten beiwohnen und nicht genug daran, sie mußten auch ihre Knaben zu den Jesuiten schicken, damit sie von diesen in der christlichen Lehre unterrichtet würden. Aber die Juden blieben auch jetzt ihrem Glauben treu; nur drei von ihnen nahmen die Taufe. Die Bekehrungsaktion war damit gescheitert und Ferdinand I. hat eine Wiederholung nicht zugelassen. Der Gewissenszwang, dem die Juden in dieser Zeit unterworfen waren, hatte zur Folge, daß viele, die im abgelaufenen Jahre zurückgekehrt waren, wiederum das Land verließen. Die zurückgebliebenen Juden suchte Ferdinand im Winter 1561 auf 1562 aus Böhmen zu entfernen. Ein Teil von ihnen war noch nicht von ihren Schuldnern bezahlt worden und Ferdinand bemühte sich, die säumigen Schuldner zur Zahlung an die Juden zu bestimmen, damit diese „keine Ausrede" mehr hätten. Das gelang ihm jedoch nur zum Teil und ebenso konnte er die andere Gruppe der Juden, die keine Außenstände hatten, trotz aller Strafandrohungen nur zum Teil zur Auswanderung zwingen. Der Winter 1561/62 war die schwerste Zeit, die die Juden damals in Böhmen durchzumachen hatten. Der Fürsprache Maximilians II. gelang es, den Kaiser zu bewegen, am 1. Februar allen Juden, die sich 182 12