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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 180

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 180 (sequence 182)
Language
German
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Wer der Verfasser dieser Chronik gewesen ist, läßt sich nicht ermitteln. In der Vorrede nennt er sich „Corrector"; was darunter gemeint ist, ist dunkel. In der Chronik erzählt er, daß er im Jahre 1597 mit seiner Frau Rachel, seinen Söhnen und Töchtern aus Lodi in Oberitalien, wo er wohnte, auswandern mußte.33 Wann er mit seinen Aufzeichnungen, die er in seiner Chronik vereinigte, begonnen hat, ist unbekannt. Die oben erwähnten Nachträge und Ergänzungen zu „Emek Habacha" gehen bis auf die Abdankung Karls V. und die Krönung Ferdinands I. zum Kaiser (1556—1558) zurück. Bei einem dieser Nachträge läßt sich der Beweis erbringen, daß er lange nach dem Ereignis, über welches er berichtet, geschrieben worden ist. Der Verfasser schildert die furchtbaren Wirkungen des Erdbebens, von dem die Stadt Ferrara im Jahre 1570 heimgesucht worden war und beruft sich dabei auf die Beschreibung dieses Erdbebens in dem Buche ,,kol elohim" des Asaria de Rossi seligen Andenkens. Da Asaria de Rossi im Jahre 1578 gestorben ist, kann die Schilderung des Erdbebens in unserer Chronik erst nach diesem Jahre verfaßt worden sein. Es spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß auch die Nachträge zu den Jahren 1556—1575 ebenfalls nach dem Jahre 1578 entstanden sind.34 Einer dieser Nachträge, es ist der II., ist für unsere Untersuchung von besonderem Werte. Er befaßt sich, wie oben bereits erwähnt worden ist, mit dem Verhalten Ferdinands I. gegen die Juden. Die ganze Stelle wird unten in deutscher Übersetzung wiedergegeben werden. Hier genüge die Angabe, daß in dieser Erzählung wiederholt und so deutlich als möglich davon gesprochen wird, daß Kaiser Ferdinand I. einen Eid geleistet habe, die Juden zu vertreiben; weiters erzählt der Verfasser, daß diese eine Gesandtschaft nach Rom geschickt hätten und daß Papst Pius IV. ihren Bitten stattgegeben und den Kaiser seines Eides entbunden habe. Das erschien Graetz und Dubnow als eine, wenn auch nur teilweise Bestätigung der Grabinschrift und der Anmerkung im Zemach David und sie haben deshalb die Angaben unserer Chronik mit diesen beiden Quellen zu kombinieren versucht. Der Bericht in unserer Chronik unterscheidet sich jedoch in zwei Punkten von der Grabinschrift und der Anmerkung. Erstens wird in der Chronik Mardochai Kohen gar nicht genannt, zweitens war nach ihrer Darstellung das Eingreifen des Papstes erfolglos. Ferdinand sei, trotzdem ihn der Papst von dem Eide gelöst hatte, ein Feind der Juden geblieben, „und er hielt seine Hand noch immer (gegen sie) erhoben". Das Ergebnis ist also: Die drei Chroniken, Emek Habacha, Zemach David und die Chronik des sogenannten Correctors enthalten über die Tätigkeit Mardochai Kohens in Rom nichts. Andere hebräische Geschichtsquellen, aus welchen für unsere Untersuchung etwas zu gewinnen wäre, sind nicht mehr vorhanden.35 Einige 180 10

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