Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 180)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachrichten über die Juden von Böhmen finden sich in diesem Teil der Chronik nicht. Es geht schon aus der kurzen Inhaltsangabe, die oben mitgeteilt ist, hervor, daß hier weder von dem Eide des Kaisers Ferdinand I. noch von der Rettung der böhmischen Juden durch Mardochai etwas zu finden ist. Sicherlich hätte der Verfasser solche merkwürdige Nachrichten seinen Lesern nicht vorenthalten, wenn er von ihnen gehört hätte. Es ergibt sich also, daß im ersten Teil der Chronik ,,Emek Habaeha" verschiedene aus guten Quellen geschöpfte Nachrichten über die Juden von Böhmen aus den Jahren 1559—1561 sich finden, aber nichts über den Eid des Kaisers und über Mardochai Kohen. Die zweite Chronik, die über die Vertreibung der böhmischen Juden von 1559 berichtet, ist „Zemach David". Es ist bereits bemerkt worden, daß der Verfasser dieser Chronik David Gans sie im Jahre 1592 abgeschlossen und veröffentlicht hat. Da er seit vielen Jahren, etwa seit 156428 in Prag lebte, müßte sein Werk, so sollte man meinen, mehr über die Ausweisung der Juden durch Ferdinand I. enthalten als die Chronik des Josef ha Kohen, der in Italien gelebt hat. In Wirklichkeit teilt jedoch David Gans nur wenig über die Ereignisse jener Zeit mit und seine Mitteilungen beziehen sich auf die gleichen Themen, die in der Chronik Emek Habaeha bereits behandelt wurden, nämlich die Vertreibung der Juden 1559, den Brand im Ghetto und die Beschlagnahme der hebräischen Bücher. Die Erklärung dürfte darin zu suchen sein, daß Gans die Chronik Emek Habaeha gekannt und neben anderen Schriften als Quelle für sein eigenes Buch verwendet hat.29 Was er dort über die genannten drei Punkte gefunden hat, hat er jedoch nicht einfach kopiert, sondern er hat Änderungen vorgenommen, durch Umstellung einzelner Absätze,30 Auslassung einzelner Stellen und Einfügung neuer Sätze, Korrekturen von Zahlen — so viele Änderungen, daß es nicht leicht ist, die Vorlage, die er benützt hat, zu erkennen. In „Emek Habaeha" las er, daß die Feuersbrunst im Ghetto von dem Pöbel von Prag dazu benützt wurde, um in die Judenhäuser einzudringen und zu plündern, daß einige jüdische Frauen vom Pöbel ins Feuer geworfen wurden und daß Erzherzog Ferdinand die Plünderer vertrieben habe. Davon übernahm Gans nicht ein Wort. Weiters hatte er in seiner Vorlage gefunden, daß die Beschlagnahme der hebräischen Bücher auf Anstiften eines nichtswürdigen Menschen, eines getauften Juden (Jehuda aus Udine) erfolgt sei. Das hat Gans ebenfalls übergangen. Dafür hat er die Angaben seiner Vorlage über die Vertreibung von 1559 durch einen Satz erweitert, nämlich, daß Kaiser Ferdinand kurz danach (nach der Vertreibung der Juden) sich wieder ihrer erbarmt und sie zurückgerufen habe. Alle diese Änderungen gehen auf denselben Grund zurück. Gans war ein vorsichtiger, vielleicht sogar ein übervorsichtiger Mann, er wollte weder sich noch sein 178 8