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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 177

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 177 (sequence 179)
Language
German
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weder das Konzept noch eine Abschrift davon vorhanden. Und ebensowenig wie in Wien findet sich in Rom irgend ein Schreiben Pius IV. an Ferdinand L, das sich auf die Vertreibung der Juden aus Böhmen bezieht. Ein einziges Schriftstück des vatikanischen Archivs zeigt uns das Eingreifen Pius IV. in die Angelegenheit der böhmischen Juden. Es ist ein Schreiben des Kardinalstaatssekretärs Borromeo an den päpstlichen Nuntius am kaiserlichen Hofe, Bischof Delfino vom 21. August 1563. Dieses Schreiben an den Nuntius wird unten erörtert werden. Es zeigt sich also, daß systematische Nachforschungen in dem habsburgischen Hausarchiv in Wien, dem päpstlichen Archiv in Rom, sowie in anderen Archiven, die in Betracht kommen, erfolglos geblieben sind. Das von Salomo erwähnte Dokument, mit welchem Papst Pius IV. den Kaiser seines Eides entbunden haben soll, war nirgends zu finden und damit ist uns auch der stärkste Beweis, daß die Angaben der Grabinschrift und der Anmerkung auf Wahrheit beruhen, entzogen. Suchen wir in anderen Geschichtsquellen nach einem solchen Beweis, so werden wir uns zuerst an die hebräischen Quellen wenden, denn die Tat Mardochais, seine Rettung der Juden, so sagt Salomo in der Anmerkung, sei unter den jüdischen Volksgenossen (,,an den Toren unserer Volksgemeinschaft") längst bekannt. Sehen wir nun, ob die hebräischen Chroniken jener Zeit, die über die Vertreibung der Juden aus Böhmen unter Ferdinand I. berichten, auch ihre Rettung durch Mardochai erwähnen. Die Zahl der Chroniken, die für unsere Zwecke in Betracht kommen, ist sehr klein. Es sind ihrer nur drei. Die erste ist die Chronik „Emek Habacha",23 in welcher die Leiden und Bedrückungen, welchen die Juden anderthalb Jahrtausende ausgesetzt waren, in Kürze geschildert werden. Der Verfasser Josef ha Kohen, der in Italien lebte, hat den ersten Teil seiner Chronik, der bis 1563 reicht, im gleichen Jahre abgeschlossen. Es geht daraus hervor, daß die Nachrichten der letzten Jahre, z. B. von 1559—1563, bald nach den Ereignissen, von denen sie berichten, niedergeschrieben sind. In diesem ersten Teil der Chronik finden sich auch Nachrichten24 über die Vertreibung der Juden aus Böhmen 1559, über die Feuersbrunst, die das Ghetto in Prag am 22. Juni desselben Jahres verheerte und über die Plünderung des Ghettos durch den Pöbel der Stadt, schließlich über die Beschlagnahme aller hebräischer Bücher in Prag auf Betreiben eines getauften Juden (Jehuda aus Udine25). Diese Nachrichten dürften durch die Juden in Prag den jüdischen Gemeinden in Italien ebenso wie in anderen Ländern zugekommen sein. Die Berichte sind in der Hauptsache zutreffend26 und ihre Anordnung in der Chronik ist chronologisch richtig. Hervorzuheben ist, daß der letzte Bericht der von der Rückgabe der beschlagnahmten hebräischen Bücher spricht, sich auf Vorgänge der Jahre 1560 und 156127 bezieht. Weitere 7 177

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