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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 176

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 176 (sequence 178)
Language
German
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heute bekennen, daß ich nicht mehr alles, was ich in dem Vortrage gesagt habe, aufrecht halten kann. Durch Akten, die mir später zur Hand gekommen sind, ist ein Teil meiner Darstellung als unrichtig erwiesen worden. Dazu kam noch, daß ich bei einer Revision des kleinen Aufsatzes vereinzelte Fehler feststellen konnte.21» Diese Fehler sollen durch die vorliegende Schrift beseitigt werden. Die Untersuchung ist jetzt auf einer breiteren Grundlage durchgeführt und die jüdischen Chroniken des XVI. Jahrhunderts, die sich mit unserem Thema befassen, sind einbezogen worden. Damit ist der Anlaß und der Zweck der vorliegenden Schrift dargelegt. Die Frage, ob die Grabinschrift und die Anmerkung im Zemach David glaubwürdige Geschichtsquellen sind, wäre rasch beantwortet,, wenn wir ein Dokument, das in der Anmerkung genannt wird, mit unseren beiden Quellen vergleichen könnten. Salomo sagt, der Papst (Pius IV.) habe in einem wohlwollenden Schreiben den Kaiser (Ferdinand I.) seines Gelübdes entbunden. Dieses Dokument wäre eine glänzende Bestätigung der Grabinschrift und der Anmerkung. Wenn es vorgelegt werden kann, ist jeder Zweifel ausgeschlossen, daß Ferdinand I. sich durch einen Eid oder ein Gelübde verpflichtet hat, die Juden zu vertreiben usw. Da Salomo berichtet, sein Vater Mardochai habe den Brief des Papstes dem Kaiser überbracht, so werden wir dieses Dokument zuerst dort suchen, wo die Akten über die Regierung Ferdinands I. aufbewahrt sind: im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien. Hier finden sich in der Tat Briefe Pius IV. an Ferdinand I. und zwar nicht weniger als 29 Stücke.22 Manche von ihnen sind durch ihren Inhalt wichtig, andere, wie etwa Beglaubigungsschreiben von päpstlichen Gesandten u. ä. sind von geringem Belange. Suchen wir in dieser Sammlung von Schreiben Pius IV. an Ferdinand I. das genannte Dokument, so suchen wir vergebens. Ein Schreiben solchen Inhalts ist im Haus-, Hof- und Staatsarchiv nicht vorhanden. Aber auch ein Schreiben dieses Papstes an Ferdinand I., das die Vertreibung der Juden aus Böhmen zum Gegenstand hätte oder sie auch nur erwähnen würde, fehlt in dem genannten Archiv und ebenso in anderen Archiven, welche Akten über die Ausweisung der Juden aus Böhmen von 1559 enthalten (Archiv des Ministeriums des Innern in Prag und Archiv des Nationalmuseums in Prag). Die Nachforschungen nach dem erwähnten Dokument müssen aber auch in anderer Richtung durchgeführt werden. Da es sich um ein Schreiben des Papstes Pius IV. handelt, könnte das Konzept oder eine Abschrift dieses Schreibens im Vatikanischen Archiv in Rom, das die Registratur des päpstlichen Sekretariats und der päpstlichen Kanzlei enthält, sich befinden. In Wirklichkeit ist jedoch in Rom 176 6

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