Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 177)
- Language
- German
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Schließlich erklärt Wolf die Behauptung des Schriftstückes von 1673, daß die römische Intervention Ferdinand I. bestimmt habe, die Juden wiederum zu dulden, sei abzulehnen. Weder Ferdinand I. noch Kaiserin Maria Theresia seien geneigt gewesen, in inneren Staatsangelegenheiten einer fremden Macht Einsprache zu gestatten. Die Entdeckung, die Wolf gemacht hat, ist durch das Werk von Bondy Dworsky als wertlos erwiesen worden.18 Die hier veröffentlichten Akten zeigen, daß die Vertreibung der Juden aus Böhmen 1559 nicht wegen eines angeblichen gotteslästerlichen Buches, sondern aus anderen Gründen erfolgt ist und weiters, daß von einem solchen Buche der Juden nirgends ein Wort zu finden ist. Wenn also dieses angebliche Buch nicht die Ursache ihrer Vertreibung gewesen ist, so wird auch die Annahme Wolfs, daß Mardochai wegen dieses Buches nach Rom gereist sei, hinfällig. Fällt damit auch seine Vermutung, daß der Eid des Kaisers, von dem die Grabinschrift und die Anmerkung Salomos erzählen, eine Sage sei? Nein; für eine solche Vermutung führt Wolf die Analogie an, daß auch von Maria Theresia das Gleiche (nämlich, daß sie einen Eid geschworen habe, die Juden zu vertreiben) irrtümlich behauptet worden sei. In der „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" von Dubnow wird im 6. Bande (1927) auch unser Thema berührt.19 Ebenso wie Graetz versucht auch er die Angaben der Grabinschrift und der Anmerkung Salomos mit einer dritten Quelle zu verbinden. ,,Wie eine jüdische zeitgenössische Quelle bezeugt", sagt Dubnow, „erklärte Kaiser Ferdinand I., daß er den Juden keinen weiteren Aufschub gewähren könne, da er längst das Gelübde abgelegt habe, das Land von den Ungläubigen zu befreien (1561)/' Und einige Zeilen später wird erzählt, Mardochai Zemach, der Vertreter der Prager Judengemeinde, „soll sich der ebenerwähnten Quelle20 zufolge, nach Rom begeben haben, um den Kaiser von seinem Gelübde entbinden zu lassen. Papst Pius IV. soll dann auch der Bitte des Vertreters der Prager Gemeinde stattgegeben haben, worauf der fromme Kaiser darauf einging, den Juden die Aufenthaltsgenehmigung auch weiterhin zu verlängern." Soviel man dieser Darstellung entnehmen kann, hält Dubnow die Angaben der Grabinschrift und der Anmerkung über die Tätigkeit Mardochais in Rom und die Lösung des Kaisers vom Eide für zweifelhaft, wie aus dem wiederholt gebrauchten Worte „soll" hervorgeht. Aber die Nachricht, daß der Kaiser nach der Lösung von dem Eide sich wiederum der Juden angenommen habe, wie Salomo in der Anmerkung berichtet, hält Dubnow für glaubwürdig. Als letzten in der Reihe habe ich mich selbst zu nennen. In einem vor vier Jahren gehaltenen Vortrage, der unter dem Titel „Mardochai Kohens Reise nach Rom" abgedruckt21 wurde, ist in der Hauptsache das gleiche Thema wie in der vorliegenden Schrift behandelt. Aber ich muß 5 175