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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 174

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 174 (sequence 176)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644309--3978-2648327
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Gelübde13 Ferdinands L, über die Reise Mardochais nach Rom und über seine erfolgreiche Tätigkeit dort aussagen, hält er für unbedingt glaubwürdig und will an ihnen nicht deuteln. Er erzählt, daß in den Jahren 1559—1561 alle Juden mit Ausnahme von zwölf Familien aus Böhmen ausgewiesen wurden und daß es Mardochai gelungen sei, ihre Zurückberufung zu erwirken. „Um ein diesfälliges Gelübde Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand I. zu lösen", sagt Hock, ,,war er bis nach Rom gegangen, und es gelang ihm dort von dem humanen und edlen Papst Pius IV. die Lösung seines Gelübdes zu erwirken. Im Frühling 1562 kehrten die Juden nach Prag zurück." Der Ansicht Hocks hat sich Graetz1* angeschlossen. Er hält es zwar für unsicher, ob Kaiser Ferdinand I. den Eid, die Juden zu vertreiben, wirklich geschworen, oder ihn nur als Vorwand gebraucht habe, um Fürsprachen für die bereits ausgewiesenen Juden abzulehnen. Aber die Reise Mardochais nach Rom, seine Verhandlung mit Papst Pius IV. und die Lösung des Kaisers von seinem Eid wird von Graetz in gleicher Weise dargestellt, wie wir es bei Hock gefunden haben. Der Ausgang des ganzen Unternehmens wird jedoch von Graetz anders geschildert, als von Hock und von Zuns. Während diese beiden, in Übereinstimmung mit der Anmerkung Salomos uns erzählen, daß Ferdinand I. die Juden wieder zurückberufen habe, wird von Graetz angegeben, daß Ferdinand I. durch die Lösung von seinem Eide sein Gewissen erleichtert gefühlt habe. Sein Sohn Maximilian II. (später Kaiser) habe ganz besonders die Juden von Prag in Schutz genommen, und das Ausweisungsdekret sei später rückgängig gemacht worden. Diese unklare15 Darstellung ist daraus zu erklären, daß Graetz hier nicht der Anmerkung Salomos, sondern den Angaben einer dritten Quelle,46 von welcher später noch die Rede sein wird, gefolgt ist. Gegen Graetz wandte sich Gerson Wolf in einem kleinen 1885 erschienenen Aufsatze ,,Die Vertreibung der Juden aus Böhmen 1561".17 Er hatte in einem amtlichen Schriftstücke (Votum der Wiener Hofkammer) vom Jahre 1673 die Bemerkung gelesen, daß Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1559 wegen eines in Prag gedruckten gotteslästerlichen Buches die Juden aus Böhmen vertrieben, sie aber später auf Intervention von Rom wieder angenommen habe. Jetzt war, so meinte Wolf, der wirkliche Grund für die Vertreibung der Juden aufgedeckt. „Ob Kaiser Ferdinand", sagt Wolf, „diesbezüglich einen Eid abgelegt habe, wissen wir nicht, aber es scheint uns mehr eine Sage zu sein, wie solches auch irrtümlich von der Kaiserin Maria Theresia berichtet wird." Was die Reise Mardochais nach Rom betreffe, so sei an ihr nicht zu zweifeln. Dort mag er „bei der Kongregation des Indexes (!) die Harmlosigkeit des wahrscheinlich bei ihm gedruckten Buches nachgewiesen haben." 174 4

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