Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 173

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 173 (sequence 175)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2644300-2644309--3977-2648326
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1559 gestellt hat, zeigt er, daß seine Anmerkung sich auf diese Vertreibung, nicht etwa auf eine frühere9 bezieht. Daraus geht hervor, daß Kaiser Ferdinand I. gemeint ist und andererseits, daß der Papst, der Ferdinand I. seines Eides entbunden haben soll, nur Pius IV. sein kann.10 Die Anmerkung sagt uns auch, um welchen Eid des Kaisers es sich handelt und wie der Papst den Kaiser von dem Eide löste. Der Eid Ferdinands I. habe der Vertreibung der Juden gegolten und die Lösung von diesem Eide sei durch ein wohlwollendes Schreiben des Papstes an den Kaiser erfolgt, das Mardochai diesem überbrachte. Um ein solches Schreiben zu erwirken, war Mardochai unter Lebensgefahr nach Rom gereist. Von dieser Reise sprechen die Inschrift und die Anmerkung. Aber nur die letztere sagt ausdrücklich, daß das Schreiben des Papstes die gewünschte Wirkung gehabt und der Kaiser sich wieder der Juden angenommen habe. Die Inschrift auf dem Grabsteine gibt nicht an, wer sie verfaßt hat, aber es ist nicht zu zweifeln, daß es derselbe ist, der sich in der Anmerkung als Autor nennt: es ist Salomo, der Sohn Mardochais, also ein Mann, der mit der handelnden Person aufs engste verbunden ist und der, wie er selbst sagt, „über große und wichtige Dinge" jener Zeit viel schreiben könnte, der also aufs Beste unterrichtet war. Das soll die Glaubwürdigkeit der Erzählung Salomos über allen Zweifel erheben. Ist das auch wirklich der Fall gewesen? Sind Anmerkung und Inschrift auch von den Geschichtsforschern als zuverlässige Quellen anerkannt worden? Es verdient Beachtung, daß der erste der sich mit unseren Quellen befaßte, Zuns, sie mit einigem Mißtrauen betrachtete. Er selbst hat in seiner 1844 erschienenen Schrift „Die Gersoniden"11 eine deutsche Übersetzung der Grabinschrift veröffentlicht, er hat jedoch diese Quelle nicht für vollkommen glaubwürdig gehalten, denn in seiner Schilderung der Schicksale Mardochais geht er über den wichtigsten Teil der Inschrift und auch der Anmerkung hinweg, nämlich über den Satz, daß der Kaiser geschworen habe, die Juden zu vertreiben und Mardochai durch den Papst die Lösung des Kaisers von diesem Eide bewirkt habe. Er entnimmt den beiden Quellen nur, daß Mardochai (1561) nach Rom gereist sei, „um die Fürsprache des milden Papstes Pius IV. anzuflehen" und den wirksamen päpstlichen Schreiben an den Kaiser, die er vermittelt habe, sei bald die Zurückberufung der (vertriebenen) Juden gefolgt. Also kein Wort von einem Eid des Kaisers. Die Schrift von Zuns hat Hock für seinen ausführlichen Kommentar zur Inschrift auf dem Grabsteine Mardochais12 sorgfältig benützt und ihr manches entnommen. Aber in einem Punkte wich er von ihr ab: in der Beurteilung des geschichtlichen Wertes der Inschrift und der Anmerkung Salomos. Was diese beiden Quellen über den Eid oder das 3 173

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.