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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 171

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 171 (sequence 173)
Language
German
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IRI
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Sage und Geschichte Von Samuel Steinherz Auf dem alten jüdischen Friedhof in Prag steht unter den Tausenden von Grabsteinen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert ein Stein aus dem Jahre 1592, der Mardochai Kohen und seinem Sohne Bezalel gewidmet ist.a) Mardochai war Buchdrucker gewesen, ebenso wie sein Vater, seine Brüder, seine Söhne und seine Enkel. Es ist die unter dem Namen Gersoniden bekannte Buchdruckerfamilie. Der Vater Mardochais, Gerson ben Salomon Kohen, hatte um 1512 eine Druckerei für hebräische Bücher in Prag eingerichtet,1 1527 hatte er von König Ferdinand I. das ausschließliche Privileg für den Druck hebräischer Bücher in Prag erhalten und seitdem blieb die Familie bis in das 17. Jahrhundert diesem Berufe treu. Mardochai, der in der Werkstatt seines Vaters von Jugend auf tätig gewesen war, wird fast durch sechzig Jahre als Drucker hebräischer Bücher in Prag genannt.2 Als er hochbetagt um das Jahr 159l2a aus dem Leben geschieden und an der Seite seines vorher verstorbenen Sohnes Bezalel bestattet worden war, ließ Salomo, wahrscheinlich der einzige von den fünf Söhnen Mardochais, der den Vater überlebte,3 auf dem Grabe der beiden im Jahre 1592 ein Denkmal aufstellen: eine mächtige Steinplatte, völlig schmucklos,4 mit einer Doppelinschrift, rechts für Mardochai, links für Bezalel. Die Mardochai gewidmete Inschrift lautet in deutscher Übersetzung: ,,Hier liegt ein Gerechter, Oberhaupt und Vorsteher; er beugte öfters Austreibungen vor, gab sein Leben preis, zog nach Rom und ließ durch den Papst den Kaiser seines Eides entbinden.'''5 Diese Worte gehen weit über die Lobsprüche hinaus, die bei Grabinschriften üblich sind. In lapidarer Kürze schildern sie Mardochai als einen Mann, der Erstaunliches geleistet hat. Er, ein Jude von Prag, hat auf das Haupt der Christenheit eingewirkt, er hat den Papst dazu bestimmt, den Kaiser seines Eides zu entbinden. Welcher Papst und welcher Kaiser sind hier gemeint? Das Rätsel hat Salomo selbst gelöst, denn der Grabstein mit der merkwürdigen Inschrift war nicht das einzige Monument, das er seinem Vater errichtet hat. Im selben Jahre 1592, in welchem der Grabstein aufgestellt wurde, hatte der Gelehrte David Gans, der seit vielen Jahren in Prag lebte, sein Geschichtswerk „Zemach David", eine Weltchronik in hebräischer a) Den Herren Bibliothekar Dr. T. Jakobovits, Prof. Dr. S. H. Lieben und Dr. B. Suler danke ich wärmstens für vielfache Unterstützung bei der Abfassung dieser Schrift. 1 171

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