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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 168

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 168 (sequence 170)
Language
German
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(gedr. Prag u. Augsburg 1540) verfaßte. Im dort beigedruckten Briefe des Druckers an R. Jakob b. Baruch nennt ersterer ausdrücklich R, Abraham von Prag als Verfasser. S. a. Titelblatt d. Prager Ausgabe, abgebildet in „Die Juden in Prag" Ende (zur Abhandlung S. H. Liebens). Der großen Gelehrsamkeit und großen Frömmigkeit R. Elias (nach Rp. Nr. 170 des Josef Kolon, zählt ihn Bruna zu den „Frommen der Welt"; vgl. auch LJ. I, S. 142) sowie seinem Rabbinerberuf entspricht aber nicht sein Charakter, der, wie es scheint» von der Geldgier beherrscht war. Sogar verschiedene Rabbiner, darunter auch Bruna, beschwerten sich über ihn bei Isserlein, weshalb dieser ihn scharf rügte (s. Pes. Rp. Nr. 64), auch Isserlein selber führt über ihn Klage (ebenda Rp. Nr. 68). Er war wahrscheinlich reich (s. o. 19) und trieb Geschäfte, was die Ursache seiner häufigen Abwesenheit von Prag (s. u. Text) gewesen sein dürfte. 202a So übersetzt nach Text Saloniki, wo smi steht. 203 Der „Morenu"-Titel wurde von dem großen Rabbiner Meir Vulda (Fulda), auch Meir ha-Levi genannt, der aus dem Rheinland stammte und in Wien lehrte (zweite Hälfte des 14. Jahrunderts), als eigentliche venia docendi für kenntnisreiche Rabbiner eingeführt, der bestätigte, daß sie zur Ausübung eines rabbinischen Lehramtes befähigt sind. Nur solche Rabbiner durften mit „morenu horaw rabbi" (= unser Lehrer, der Rabbiner, Rabbi) zur Thora aufgerufen werden. David Gans bringt (Zemach David I, z. J. 187) im Namen des R. Sinai b. Bezalel (Bruder des hohen R. Low) folgende Erklärung für die Einführung dieser Einrichtung unter den deutschen Juden. Es hätten sich zu jener Zeit viele Privatgelehrte mit der Erteilung von Scheidebriefen und Vornahme von Trauungen befaßt, die in die Feinheiten der betreffenden Vorschriften nicht eingeweiht waren (vgl. „Rabbinische Geschichtsquellen" I, S. 43f., Rp. Nr. 85). Und so sei diese „Morenu"-Approbation eingeführt worden, um ein Kennzeichen zu geben, daß wer für diesen Titel nicht approbiert ist, das Recht nicht besitze, Trauungen und Ehescheidungen vorzunehmen. Vgl. LJ. II, S. 38, wo der Inhalt einer solchen ,,Morenu"-Approbation, erteilt von Isserlein an Isaak Levi aus Regensburg, wiedergegeben ist. S. dazu Güdemann I, S. 241 ff. und III, S. 31 f. 204 Demnach scheint es, daß Passau die „Morenu"-Approbation (s. vorige Anm.) nicht besessen hat. 205 Nach talmudischem Gesetz hat eine Witwe, die ihre „Kethuba" an die hinterbliebenen Waisen ihres Mannes zur Zahlung präsentiert, zuerst den Eid abzulegen, daß sie bei Lebzeiten des Mannes nichts von ihm gestohlen oder versteckt, sowie daß dieser ihr nichts auf Rechnung des ,,Kethuba"-Betrages ausgezahlt hat (s. Elieser b. Nathan, Eben ha-Eser, Ausg. Prag, Bl. 36, 3; s. a. „Jam schei Schelomo." von Salomo Luria, Ausg. Stettin, Gittin, Bl. 26, Nr, 34). 206 In der damaligen Lehrweise des Talmud auf den Jeschiboth hat es zwei Systeme gegeben, die auf besondere Zeitabschnitte verteilt waren: ein einfaches und ein kompliziertes. Ersteres bestand in der einfachen Texterklärung nach dem ,,Perusch" (Kommentar, d. i. der Raschi-Kommentar; vgl. LJ. II, S. 59 oben und Mose Menz Rp. Nr. 77). Der Zeitabschnitt, in welchem nach diesem System gelernt wurde, hieß daher ,,die Zeit des Perusch". Das zweite System büdete das höhere Talmudstudium, wobei — außer dem Raschi-Kommentar — in erster Linie die „Tossafot" („Zusätze", tiefgründige und scharfsinnige Diskussionen und Erörterungen zum Talmud enthaltend, ein Werk von über vierzig Gelehrten des 12. und 13. Jahrhunderts, hauptsächlich französischen, aber auch deutschen, darunter auch böhmischen) durchgegangen wurden, worauf dann die Behandlung des Lehrstoffes in tieferer Analyse und mit scharfsinnigen Kombinationen nach allen Regeln der rabbinisch-dialektischen Kunst (Pilpul) folgte. Der Zeitabschnitt, in welchem diese Art der Bearbeitung des Stoffes geübt wurde, nannte man ,,die Zeit der Tossafot", da die Vorträge ihr Charakteristisches im Durchnehmen der Tossafot hatten (s. Güdemann III, S. 79; vgl. a. Grätz VIII, S. 209). Dieses zweifache Lehrsystem, das in Deutschland (Weil Rp. Nr. 164), Österreich (Pes. Rp. Nr. 237, LJ. II, S. 39) und Italien (Josef Kolon Rp. Nr. 170) verbreitet war, 168 68

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