Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 169)
- Language
- German
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in Prag nieder und begann rabbinische Funktionen auszuüben. Er war der Schüler Brunas (s. u. Rp. Nr. 281). Daß er auch Schüler Jakob Weils war, wie Freimann (S. XXI, A. 69) behauptet, geht aus Rp. Nr. 126 nicht deutlich hervor. Der Zeitpunkt seiner Ankunft in Prag läßt sich auf folgende Weise bestimmen. Im vorliegenden Schreiben, das 1457 abgefaßt ist (s. A. 229), sagt R. Perez: „Und es sind schon über zwei Jahre her, daß diese Deine Sünde (die Konkurrenz gegen R. Elia) begonnen hat, während er an vorangehender Stelle Passau vorwirft, daß er bald nach seiner Ankunft in Prag angefangen hat „übermütig zu werden". Aus diesen beiden Stellen geht hervor, daß der Streit zwischen R. Elia und R. Leiser im Jahre 1455 ausgebrochen und daß letzterer im selben Jahre oder frühestens 1454 nach Prag gekommen ist. 202 s. über ihn Michael, ,,Or Hachajim" Nr. 354, Freimann (Nr. 16) und H. Horowitz (EJ. VI, Sp. 504/5). Die Behauptung Horowitzs, daß er in Prag geboren sei, entbehrt jeder Grundlage. Dagegen spricht aber die Tatsache, daß R. Perez nicht geltend macht, daß R. Elia den großen Vorzug vor R. Leiser habe, ein geborener Prager zu sein. Wäre das der Fall, so hätte R. Perez gewiß darüber nicht geschwiegen. Von seinen Familienverhältnissen wissen wir nur, daß seine zweite Frau Reyna geheißen hat (s. Rpps. Mose Menz, Nr. 75) und daß ein Schwager von ihm mit Namen Mose in Regensburg wohnte und ein erbitterter Gegner Brunas war (s. o. 4 und 5). Wann er in Prag Rabbiner geworden ist, wissen wir nicht, wir können aber nachweisen, daß er spätestens 1446 bereits Prager Rabbiner war. Das geht aus folgender Zusammenstellung von Responsen in Pes. von Isserlein hervor. Im oben (A. 152) zitierten Responsum Pes. Nr. 223 sagt Isserlein, daß er kurz vor dem Eintreffen der Anfrage über die Aguna Meidl, von der wir wissen, daß sie vor Ostern 1447 an Isserlein geschickt worden ist, sich mit der an ihn ergangenen Anfrage über die Prager Aguna Esther, die Frau des verschollenen David Kuntel, beschäftigt hat. Demnach dürfen wir annehmen, daß der Fall David Kuntel sich spätestens 1446 ereignet hat. Die Zeugenaussagen aber in dieser Sache sind an R. Elia nach Prag geschickt, beziehungsweise vor seinem dortigen Beth Din gemacht worden (Pes. Rpp. Nr. 218 und 219). Mithin war R. Elia 1446 bereits Hauptrabbiner in Prag und stand dem dortigen Beth Din vor. Auch als Haupt der Jeschiba dürfte er bereits 1446 fungiert haben, denn R. Perez sagt von ihm im vorliegenden Schreiben, also 1457: „denn es sind schon viele Jahre her, daß der Lehrstuhl des Rabbiners (R. Elia) obenan steht.44 Da er 1476 noch in Amt und Würden in Prag war, wie aus den „Minhagim" des Eisik Tyrnau (Ausg. Prag, Bl. 36^, § 44 d. Glossen) zu ersehen ist, so hat er das Prager Rabbinat mindestens 30 Jahre inne. In der Rpps. „Chacham Zewi" (Nr. 129) wird er R. Elia Prag genannt. R. Elia gehörte zu den großen, nach dem Tode Jakob Weils und Isserleins zu den größten rabbinischen Autoritäten seiner Zeit im Deutschen Reich und zeichnete sich besonders durch seinen außerordentlichen Scharfsinn und dialektische Kunst aus. Isserlein nennt ihn an einer Stelle (Pes. Rp. Nr. 220): „Korb voll Pfeffer46 (d. h. scharfen Verstandes). Vgl. auch Bruna Rp. Nr. 102, Anfang. Wie hoch er (und Bruna) von Isserlein eingeschätzt wurden, ist noch aus LJ. II, S. 38, zu ersehen. Meir Padua nennt ihn (Rpps. Nr. 35) „Gaon R. Elia'4 und bezeichnet ihn als „starken Baum44 (d. h. mächtig großen Gelehrten). Mose Menz (Rpps. Nr. 30 und 75) tituliert ihn „Haupt des Exils44. Trotz seiner vielfachen gelehrten Korrespondenz mit den anderen Autoritäten seiner Zeit, hinterließ er keine Responsen (vielleicht aber sind sie verlorengegangen). Einem Responsum Isserleins (Pes. Rp. Nr. 161) entnehmen wir, daß er eine Schrift „Seder46 (Tib) geschrieben hat. Es ist wahrscheinlich ein „Seder ha-Get44, Vorschriften für die Ehescheidung enthaltend. Wenn aber Freimann (a. a. O.) behauptet, daß er Glossen zu den „Turim44 des Jakob b. Ascher verfaßt habe, so verwechselt er ihn mit dem späteren Prager Rabbiner R. Abraham b. Abigedor, der am 7. Oktober 1542 starb und auf dem alten Friedhof begraben ist (s. Liebens „Gal Ed44, Nr. 121). Dieser eben war es, der Glossen zu den „Turim", und zwar ausführlichere nur zu Tur Orach Chajim 67 167