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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 163

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 163 (sequence 165)
Language
German
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und zwar folgert er es aus Rp. Nr. 195 (in Wirklichkeit 194), das eine Anfrage enthält, die R. Jakob Levi aus Znaim an Bruna geschickt hat, was, wie aus dem Inhalt des Responsums hervorgeht, im Jahre 1454 geschehen ist. Da die Anfrage aus Znaim in Mähren kam, schließt Weiß daraus, daß Bruna zu jener Zeit noch in Mähren, d. h. in Brünn wohnte. Diese Schlußfolgerung ist aber falsch, denn wir wissen (s. Einleitung, Biographie), daß Bruna auch in Regensburg wohnend Anfragen aus Mähren und Böhmen erhielt. Bruna gibt hier den Grund an, weshalb er nach Regensburg zog. Wahrscheinlich war die Verheiratung nach dort auch die Ursache seines Abganges von Brünn. Carmoly (s. Freimann, Nr. 82) meint allerdings, daß Bruna aus dem Grunde Brünn verlassen hätte, weil R. Gedel aus Orenburg (oder Odenburg, bei Wiener-Neustadt, s. LJ. II, S. 62; vgl. a. Berliner, MGWJ. 1869, S. 316, A. 3) dorthin kam, um sich dort als Rabbiner zu betätigen (s. Pes. Rp. Nr. 128). Diese Meinung ist aber kaum akzeptabel. Denn erstens spricht das betreffende Responsum Isserleins nur davon, daß R. Gedel sich in Brünn niederlassen wollte, ob er es auch getan hat, wissen wir nicht; zweitens ist es wenig wahrscheinlich, daß Bruna, der bereits in Brünn einen großen, über die Grenzen Mährens reichenden Ruf besaß (s. Biographie) und kein nachgiebiger Mensch war (s. Fall Salmoni in Rpps. Josef Kolon, Nr. 169 und 170), vor einem neuangekommenen Gelehrten, den Platz geräumt haben wird. Die Frage E. H. WTeißens (a. a. O. S. 259, A. 7), warum Bruna hier nicht erwähnt, daß die Austreibung der Juden aus Brünn die Ursache seines Wegzuges von dort war, ist durch unsere Feststellung, daß Bruna lange vor der Austreibung nach Regensburg kam, erledigt. 153 Im Text hier: Lemberk (Lemberg), gemeint ist aber nicht Lemberg, die Hauptstadt Ostgaliziens, wie Steinschneider (das.) irrtümlich annimmt, die im Mittelalter den Namen Lamberg oder Lamburg (auch Löwenburg) in terra Russia (Rot-Reußen, s. o. A. 16) führte und in einem Responsum des 15. Jahrhunderts (Rpps. Josef Kolon Nr. 184) unter dem Namen Lambert (auch Lanbert) im Lande Russia44 geht, sondern Löwenberg in Schlesien, das in den mittelalterlichen Urkunden Lamberg und Lemberg genannt wird (s. S. Cassel, Art. ,,Juden" bei Ersch und Gruber, 27, S. 130, A. 41; vgl. auch Berliner, HB., 1872, S. 39). Es ist auch aus dem Grunde einleuchtend, daß es sich hier um Löwenberg i. Schi, handelt, daß das Responsum unten von ,,Zeugen aus der Gemeinde Prislau" ( Breslau und nicht Przemysl, wie Steinschneider vermutet) spricht, die der Tat zugesehen haben, und da ist es näherliegend, daß der Tatort sich in der Nähe von Breslau befand, also in Schlesien, als im heutigen Lemberg in Galizien, das von Breslau weit entfernt ist. Auch Brann (a. a. O., Anhang III, S. LXI, VIII, 5) bemerkt zu diesem Responsum: „Daß hier von Löwenberg und nicht von Lemberg in Galizien die Rede sei, ist klar." 153a Mittelhochdeutsch: Kiule Keule. S. Lexer, mhd. Handwörterbuch. 154 Hier in der Bedeutung: frommer Sinn. 154a Hinzugefügt nach Text Saloniki. 155 Sanhedrin 78a. 156 S. 3. B. Mose 24, 17. 157 jes. 1, 15. 158 D. h. Bewußtlosigkeit, s. 1. B. Mose 19, 33. 159 Elasar b. Jehuda aus Worms, geb. 1160 in Mainz, Verfasser des bekannten Buches „Rokeach" (weshalb auch ,,Elasar Rokeach" genannt) über Gottesfurcht und Buße u. a. m. 160 Jehuda b. Samuel, genannt ,,der Fromme" (Chassid), aus Regensburg, Verfasser des bekannten „Buches der Frommen" (Sefer Chassidim), Lehrer des obigen R. Elasar. 161 Unter der ,,Ferne" ist hier Regensburg gemeint. Die Kosten eines Boten in eine weit entfernte Stadt waren zu jener Zeit ziemlich groß (S. Rpps. Jakob Levi, Ausg. Hanau, Bl. 50, 3) und nur für Wohlhabende (wie Simcha einer gewesen zu sein scheint, s. u.) erschwinglich. 63 163

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