Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 162)
- Language
- German
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Aufnahme neuer beeinträchtigt wird. Infolgedessen pflegte der Gemeindevorstand seine Erlaubnis zur Ansiedlung fremder Juden im Orte nur dann zu geben, wenn alle alteingesessenen Gemeindemitglieder befragt und darin eingewilligt haben. Erhob auch nur ein einziges Mitglied begründeten Einspruch dagegen, so konnte er dadurch die Erteilung der Erlaubnis verhindern. Aus den Worten Brunas, die nur bei Kenntnis dieser Einrichtung verständlich sind, geht hervor, daß auch in Böhmen die jüdischen Gemeinden über das Siedlungsrecht verfugten und im vollen Umfange davon Gebrauch machten. 127 Steinschneider (a. a. O. S. 25) liest hier mit Recht Landshut (das in hebräischer Schrift auch Inzshut geschrieben wurde). Unserer Meinung nach handelt es sich hier um R. Elieser, den Sohn des R. Nathan von Eger, der auch Leiser genannt wurde (s. Minhagim des Maharil, Ausg. Offenbach, S. 98*>). Es ist wahrscheinlich, daß er nach Austreibung der Juden aus Eger (1430; s. A. 123) nach Bayern zog. Wir wissen, daß er eine Zeitlang in Nürnberg wohnte (s. Freimann Nr. 18), und ist die Annahme naheliegend, daß er eine Reihe von Jahren in der bayerischen Stadt Landshut lebte (als Rabbiner oder Privatgelehrter), weshalb ihm der Beiname Landshut beigelegt worden sein dürfte. Als um die Mitte des 15. Jahrhunderts die Lage der Juden in Bayern — bis zu ihrer völligen Austreibung im Jahre 1450 — schlechter wurde, wird er wohl nach seiner Vaterstadt zurückgekehrt sein und 1449 dort gewohnt haben (vielleicht bekleidete er das Amt seines Vaters als Rabbiner). 128 Diese beiden Männer, die in der Schlichtungsurkunde an erster Stelle genannt werden (s. Nr. 129), waren, wie aus dem weiteren Inhalt zu ersehen ist, die „Ältesten" der Gemeinde und zugleich die Schlichter. Sie waren, wie weiter aus dem Brief hervorgeht, Brüder. 129 Von ihm und anderen Rabbinern. Isser lein war der Meinung, daß ein Jude, der eine Streitsache mit einem anderen Juden hat und sich an die christliche Behörde wendet, durch die jüdische Gemeinde streng bestraft werden solle (vgl. 5). Hier ist unter der ,,außer jüdischen Behörde** der städtische Rat gemeint, an den die Schlichter sich wenden wollten — oder nur damit drohten —, um den Wegzug der Gemeindemitglieder Menzl und Has zu erwirken. 130 Im Text ist hier fälschlich die Responsennummer mit 130 angegeben. Unter der korrupten Nummer ist das Responsum bei Grätz (a. a. O. S. 264), E. H. Weiß (a. a. O. S. 262) und Horowitz (ZGJC I, S. 234) angeführt und ist auch dort in 133 zu berichtigen. 131 Grätz (a. a. O.) bezieht diese Worte auf Bruna und schließt daraus, daß er von Brünn nach Regensburg ,,nach vielen Wanderungen44 (?) über Prag gegangen ist. Grätz hat hier zwei Sachen übersehen. Erstens, daß die Frage wegen der Kühe mit der anormalen Rippenzahl an Bruna in Regensburg ergangen ist (das Responsum beginnt: ,,Ich bin gefragt worden in Regensburg44), die Ankunft in Prag aber, auch wenn sie sich auf Bruna beziehen sollte, müßte nach dem Sinne der Worte: „Und als ich nach Prag kam44 nach der getroffenen Entscheidung in der besagten Frage geschehen sein, d. h. Bruna wäre von Regensburg nach Prag gekommen und nicht von Brünn nach Prag auf dem Wege nach Regensburg. Zweitens merkte er nicht, daß die Nachschrift nicht von Bruna, sondern von seinem Sohne unterzeichnet ist, mithin beziehen sich höchstwahrscheinlich auch die Worte von der Ankunft in Prag auf den Sohn, der als Rabbiner in Prag fungierte. Denselben Fehler wie Grätz begeht auch Steinschneider, der von der Übersiedlung Brunas nach Regensburg sagt: ,,wohin er wohl über Prag ging" (a. a. O. S. 26). In der Tat aber besitzen wir keinen Beweis dafür, daß Bruna aus Brünn nach Regensburg auf dem Umweg über Prag zog. 132 Steinschneider (a. a. O. S. 25) vermutet hier Trebitsch, d. h. Jakob aus Trebitsch. 133 „Zur Zeit44 — so übersetzt nach Text Saloniki (Text Stettin hier ohne Sinn). 133a Unter den großen Rabbinern ist vielleicht auch R. Elia gemeint; in diesem Falle wäre er zur Zeit der Mitteilung des Jakob Trebitsch bereits verstorben. 160 60