Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 149)
- Language
- German
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chut" als Kaisertum (oder kaiserliche Kommissare) deutet. Gegen die Annahme Grätzs ist aber einzuwenden: 1. Malchut bedeutet nicht bloß Kaisertum (richtiger: Reich), sondern überhaupt — und namentlich in der rabbinischen Literatur —: Staat, Obrigkeit oder Behörde. Der Befehl der Internierung braucht also nicht vom Kaiser oder seinen Kommissaren ausgegangen zu sein, sondern von irgendeiner öffentlichen Behörde, z. B. dem städtischen Rate. 2. Wäre die Kombination Grätzs richtig, so wäre es unverständlich, warum das Vermögen Brunas konfisziert wurde. Um den oben angegebenen Zweck zu erreichen, hätte doch die Internierung des Rabbiners allein genügt. 3. Aus den unmittelbar dem obigen Zitat vorangehenden Worten: ,,und man denunzierte und lieferte mich mit Person und Vermögen dem Malchut aus" ist zu ersehen, daß die Verhaftung und die Konfiskation des Vermögens auf Grund einer Denunziation vorgenommen worden ist (auch Güdemann, III, S. 21, spricht hier von einer Denunziation). Aus diesen drei Einwendungen, namentlich aber aus der letzten, geht zur Evidenz hervor, daß es sich hier um eine gegen Bruna persönlich erhobene Anschuldigung handelt und nicht um die Absicht des Kaisers, einen Druck auf die jüdische Gemeinde auszuüben. Es ist also eine Privatangelegenheit Brunas und steht mit der Krönungssteuer in keinem Zusammenhang. Worin die Denunziation bestand, ist im Schreiben Brunas an R. Kaschriel nicht angegeben. Auf Vorstellungen und Bitten der Juden Böhmens. Nach Grätz war der böhmische König ,,mehr gefürchtet*' in Regensburg, als der „machtlose" Kaiser. 14 S. Rp. Nr. 33, Ende, und Rp. Nr. 277,JB1. 116».!5 Rp. Nr. 55 auf eine Anfrage aus Krakau. 16 Rp Nr. 73, das mit den Worten beginnt: ,,Ich bin gefragt worden von einem reichen Manne aus dem Lande Russia." Unter „Russia" ist aber hier nicht das gegenwärtige Rußland zu verstehen, sondern das Land der Ruthenen, hauptsächlich das heutige Ostgalizien, das früher Reußen oder Rot-Reußen (weil die dortige Erde rot, d. h. lehmig ist) geheißen hat. So sagt die polnische Enzyplodädie „Wielka Enzyklopedia Powszechna" (XLIII) über Lwow (Lemberg): ,,niegdys stolica Rusi Czerwonej", d. h. ehemals die Hauptstadt von Rot-Reußen, und dort weiter: ,,stolica Rusi" — die Hauptstadt Reußens. Lateinisch wurde Reußen im Mittelalter terra Russia genannt. Josef Kolon spricht in seinem Rp. Nr. 184 von Lanbert beziehungsweise Lambert (Lemberg, s. A. 153) im Lande Russia. Und wenn „Or Sarua" (4. Teil, Bl. 19») berichtet, daß R. Elieser aus ,,Praga" in „Russia** war, so ist kaum anzunehmen, daß er im 12, Jahrhundert eine Reise nach dem fernen Rußland unternommen hat. Im 17. Jahrhundert wird im Responsum (Zemach Zedek von Mendl Krochmal aus Nikolsburg, Nr. 14) auch Podolien und Wohlynien in der Ukraine (Nemirow und Wladimir-Wolynsk, wo Lipmann Heller Rabbiner war) als das ,,Land Russia" bezeichnet. Das eigentliche Rußland aber (Großrußland) führt in der Literatur des Mittelalters und noch viel später den Namen „Moskovia". S. dazu Zunz, Ritus S. 72 und in Frankels Zeitschrift für die religiösen Interessen d. Juden", 1846, S. 382ff., sowie S. Cassel in d. Enzyklop. Ersch und Gruber, Bd. 27, Art. „Juden", S. 130 A. 41 und S. 145 A. 5. 17 Rp. Nr. 25, das mit den Worten beginnt: „Ich bin [als ich] in der Gemeinde Brünn [wohnte], aus dem Lande Ungarn gefragt worden." Daraus ist auch zu ersehen, daß als er noch in Brünn war, sein Ruf über die Grenzen Mährens drang. 18 S. u. A. 202. 19 S. Rp. Nr. 268 (Bl. 111b, Ende) und GA. Josef Kolon Nr. 170. 20 In seinem Vorwort sagt der palästinensische Glossator der Responsen über Bruna u. a.: ,,der Gaon Israel von Bruna, das Andenken des Gerechten und Heiligen sei gesegnet, und drang sein Ruf in alle Länder, die nahen wie die fernen." Weiß (a. a. O., S. 261) hält die Größe Brunas für beschränkt und meint, daß er die Stufe seiner Lehrer (Weil, den Weiß für einen Lehrer Brunas hält, und Isserlein) nicht mal zur Hälfte erreicht hätte. Gegen diese Meinung spricht aber die Äußerung Isserleins in einem Schreiben an Bruna (Rp. 33, Ende): ,,Solange er (Jakob Weü) lebt, und auch Du und die anderen tapferen Hirten, ist das Zeitalter nicht ver- 47 147