Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 113)
- Language
- German
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und Begabung überragte. Am Anfang des Streites wurde zwar zwischen den beiden Rabbinern vermittelt und eine Abmachung getroffen, durch welche die Grenzen der Tätigkeitsgebiete für beide festgesetzt wurden, wobei R. Elia das Hauptgebiet zuerkannt wurde und R. Leiser sich mit geringeren Befugnissen begnügen mußte, oder wie Isserlein sich ausdrückt,40 R. Elia wurde der „Ochse" und R. Leiser das ,,Schaf" zugeteilt, dieser wollte aber nicht auf die Dauer beim „Schafe" bleiben, und da das Abkommen nicht ganz klar gehalten war, legte er es zu seinen Gunsten aus und überschritt die Grenzen der ihm in Wirklichkeit eingeräumten Befugnisse. Erst dann entbrannte der große Streit und nahm ein solches Ausmaß an, daß durch ihn große Störungen im Gemeindeleben erzeugt wurden. Es folgten gegenseitige öffentliche Herabsetzungen und Ehrverletzungen der Rabbiner, sowie Drohungen und Schmähungen seitens Gemeindemitglieder gegen den ihnen unerwünschten Rabbiner. Auch der Bannfluch kam reichlich in Anwendung. Das anläßlich dieses Streites von R. Perez, einem Verwandten R. Elias, abgefaßte Schreiben an R. Leiser (Rp. Nr. 277), das von scharfen und beleidigenden Ausdrücken gegen diesen strotzt, zeigt uns, wie ein Rabbiner dem einer anderen Gemeinde im Namen des Gesetzes und der guten Sitte einen Befehl erteilt und ihm mit dem schwersten Banne droht, wenn er sich seinem Befehle nicht fügt. Desgleichen ersehen wir aus dem Schreiben R. Perezs an den Prager Gemeindevorstand (Rpp. Nr. 282/3), daß ein auswärtiger Rabbiner das Recht zu haben glaubt, gegen Prager Gemeindemitglieder, die Gegner seines Verwandten R. Elia sind, den Bann zu schleudern. Auch Bruna droht seinem Schüler R. Leiser mit dem Banne für den Fall, daß er die „Verletzung des Gebietes" R. Elias fortsetzen sollte (Rp. Nr. 281). Womit der Streit geendet hat, erfahren wir weder aus den Schreiben des R. Perez, noch aus dem Brunas. Da wir aber wissen, daß R. Elia noch 1476 als Rabbiner in Prag fungierte,41 über die rabbinische Tätigkeit R. Leisers in Prag aber weiter (d. h. nach dem Falle des Prager Hauses [s. 20], der aber vor Abfassung des Rundschreibens R. Perezs geschah) keine Nachricht besitzen, so ist es wahrscheinlich, daß er in der Folge Prag verlassen hat und daß R. Elia als der allein herrschende Rabbiner verblieben ist. 1 (Rp. Nr. 32). Schreiben Brunas an Isserlein betreffs der Zeugenschaft eines zum Judentum zwar zurückgekehrten, aber immer noch schwer sündhaften Täuflings in Sachen einer Aguna aus Prag. Entgegen 11 111