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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 110

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 110 (sequence 112)
Language
German
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Scheidungen vorzunehmen,29 sowie ein Talmudlehrhaus (Jeschiba) zu leiten,30 sich in einer Gemeinde niederließ und rabbinische Tätigkeit, die meistenteils mit Lehrtätigkeit verbunden war, auszuüben begann. Hat er sich als Rabbiner bewährt, besaß er einen guten Ruf und hatte die Gemeinde Vertrauen zu ihm, so setzte er seine Tätigkeit ohne Störung fort, er wurde als Rabbiner im Orte anerkannt, und es wurden ihm alle Ehrungen zuteil, die nach Gesetz und Brauch einem Rabbiner zukommen. Seine Einnahmen bestanden gewöhnlich aus den Gebühren, die für die verschiedenen rabbinischen Funktionen zu entrichten waren (manche der großen Rabbiner verzichteten auch auf diese Gebühren).31 Da die Stellung des Rabbiners nicht den Charakter eines von der Gemeinde eingesetzten Oberkultusbeamten trug, so war auch das Rabbinat nicht an eine Person rechtlich gebunden, sondern es stand auch einem anderen Talmudgelehrten, der dieselbe Eignung für den Rabbinerberuf besaß, frei, in derselben Gemeinde gleichzeitig rabbinische Tätigkeit auszuüben. Da ferner die Talmudgelehrten Freizügigkeit besaßen, d. h. dem Siedlungsrecht der Gemeinde (über dieses s. A. 126) nicht unterworfen waren und sich überall ohne weiteres ansiedeln konnten, so kam es nicht selten vor, daß in einer Gemeinde, wo ein Rabbiner bereits fungierte, ein anderer Talmudgelehrter sich niederließ und ebenfalls rabbinische Funktionen auszuüben begann. Der von früher her ansässige Rabbiner sah aber sehr ungern die Konkurrenz, die seine Einnahmen schmälerte, einen Mann, der an seiner Seite ebenfalls den Titel Rabbiner führte und mit „morenu" zur Thora aufgerufen wurde und im Falle, daß der Neuangekommene noch eine besondere Jeschiba eröffnete, ihm Talmudjünger entzog. Er erhob dann gewöhnlich Protest gegen die „Verletzung seines Gebietes", das er sich durch Jahre erworben hat. Auf diese Weise kam es, besonders während des 15. Jahrhunderts, zu Streitigkeiten um das Rabbinat in vielen Gemeinden. So in Regensburg,32 Nürnberg,33 Posen,34 Wiener-Neustadt,35 Breslau36 und vielleicht auch in Brünn.37 Der wahrscheinlich um die Mitte des Jahres 1454 in Prag ausgebrochene Streit zwischen dem dort mindestens seit 144638 als Rabbiner und Jeschiba Vorsteher fungierenden R. Elia und dem neuangekommenen R. Leiser Passau (oder Polak), einem Schüler Brunas, der auch die Ordination von ihm erhalten hat, wurde mit besonderer Schärfe und Gehäßigkeit ausgetragen. Die Stellung R. Leisers war, wie es scheint, durch die häufige Abwesenheit R. Elias von Prag begünstigt, wie auch dadurch, daß letzterer wegen mancher seiner eines Rabbiners unwürdigen Charaktereigenschaften39 beim Volke unbeliebt war. Von den zwei Parteien, die sich infolge des Streites in der Gemeinde bildeten, hielt das einfache Volk zu R. Leiser, während die Gelehrten und Jeschibajünger Anhänger R. Elias waren, der den ersteren an Gelehrsamkeit 110 10

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