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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 106

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 106 (sequence 108)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644309--3910-2648259
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Nr. 1 bezieht sich auf einen Agunafall in Prag, der einen lebhaften Meinungsaustausch zwischen R. Elia von Prag, Isserlein,26 Weil27 und Bruna hervorrief. Die Einzigartigkeit dieses Falles besteht darin, daß nach den Gerüchten ein anderer Jude den Verschollenen ermordet haben soll (sonst waren es Christen, die als Mörder in Betracht kamen). Ferner ist interessant, daß der Zeuge, ein Sohn des mutmaßlichen Mörders, der behauptet, der Verschollene sei eines plötzlichen, natürlichen Todes gestorben, ein gewesener Täufling ist, der zwar zum jüdischen Glauben zurückgekehrt ist, sonst aber „alles begeht, wTas verboten ist: Diebstahl, Raub, Buhlerei". Das zeigt uns, daß trotz der strengen Zucht und Frömmigkeit, die unter den Juden jener Zeit herrschten, es auch jüdische verbrecherische Elemente in Böhmen (der Zeuge war, wie es scheint, ein Prager, ebenso wahrscheinlich sein Vater) gab, die vor Raub und Mord nicht Halt machten und auch den Religionswechsel leicht nahmen. Den Grund, warum sich ein sittlich so verkommener Mensch wie der Zeuge im neu angenommenen Glauben nicht wohl fühlte und zum alten zurückgekehrt ist, kennen wir nicht,23 auffallend ist es aber, daß die christliche Behörde die Rückkehr eines getauften Juden zum Judentum duldete. Vielleicht aber legte sie keinen Wert auf das christliche Bekenntnis eines Verbrechers. In Nr. 2 steht ein bei Eger aufgefundener, verwester Leichnam eines Juden, der nur durch das Loch eines Zahnes identifiziert wird, zur Diskussion, und da sind zwei Äußerungen Brunas für die damalige Zeit bezeichnend. Aus der einen (Rp. Nr. 53) geht hervor, daß sie damals den eingesetzten Zahn nicht kannten, aus der anderen (Rp. Nr. 216), daß der Bezirkshauptmann erst durch ein Geschenk von den Juden dazu bewegt werden konnte, eine Nachforschung wegen des erschlagenen Juden zu veranlassen. Nr. 6, enthaltend die Frage über eine Aguna, deren Mann in der Nähe von Schweidnitz als Leiche aufgefunden und von einem der jüdischen Zeugen erkannt wurde, bringt die gerichtliche Aufnahme der Zeugenaussage, unterzeichnet von den drei Dajjanim. Der Fall wird von Bruna, Isserlein und den Breslauer Rabbinern behandelt. Aus Nr. 3 ersehen wir, daß in Brünn auch jüdische Frauen sich als geschäftliche Vermittlerinnen unter Christen bewegten und von ihnen Aufträge erhielten. Als eine solche Vermittlerin die ihr zum Verkauf gegebenen Wertsachen veruntreute und dadurch die Todesstrafe verwirkte, waren alle vermögenden Gemeindemitglieder — außer einem —, wie auch der Gemeindevorstand bereit, Opfer an Geld zu bringen, um sie vor dem Tode zu retten. Nr. 4 zeigt uns unter anderem die Häufigkeit der Bannflüche der Rabbiner, die sogar gegen andere Rabbiner ausgesprochen wurden, 106 6

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