Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 106)
- Language
- German
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gung gegen den Rabbiner überzeugt war, sandte zwei Schreiben an den Rat, mit dem Befehl, Bruna zu enthaften. Ebenso erging an den Rat ein energisches Schreiben des Königs Wladislaw II. von Böhmen,13 Bruna ohne weiteres aus der Haft zu entlassen. So in die Enge getrieben, verhängte der Rat die Todesstrafe über den Angeber, und dieser gestand vor dem Tode, daß Bruna unschuldig ist. Daraufhin wurde der Angeber öffentlich verbrannt und Bruna, nachdem er über einen Monat im Kerker zugebracht hatte, in Freiheit gesetzt. Er mußte aber Urfehde schwören, daß er keine Rache für die ihm zugefügten Leiden nehmen würde. Trotz dieser Verfolgungen zeigte Bruna Toleranz und Freundlichkeit gegenüber den Christen (s. Rpp. Nr. 112 und 113). Bruna zeichnete sich durch große Beherrschung des Talmud und außerordentlichen Scharfsinn aus, wofür seine Responsen Zeugnis ablegen, und gehörte zu den führenden Rabbinern seines Zeitalters.14 Man wandte sich an ihn mit Anfragen nicht nur aus dem eigentlichen Deutschland, Oesterreich, Böhmen und Mähren, sondern auch aus ferneren Ländern, wie Polen,15 Reußen16 und Ungarn,17 und er stand in gelehrter Korrespondenz mit fast allen zeitgenössischen rabbinischen Größen. Die schwierigsten und verwickeltsten Fragen, die zu seiner Zeit die Rabbiner und die jüdischen Gemeinden beschäftigten, wurden an ihn gleich wie an Jakob Weil und Isserlein zur Entscheidung gesandt. Nach dem Tode dieser beiden hervorragenden Rabbiner blieb Bruna die größte rabbinische Autorität in der damaligen gesamtdeutschen Judenheit, in welchem Rufe vielleicht noch R. Elia von Prag sich mit ihm teilen durfte. Wie dieser18 war auch Bruna Anhänger der dialektischkombinierenden (pilpulistischen) Methode der Talmuderklärung.19 Seine Responsen waren berühmt und ihr Ruf drang bis nach Palästina.20 Außer den Responsen verfaßte er noch ein halachisches Werk,21 das auf uns nicht gekommen ist. Er war auch kein einseitiger Talmudist und schrieb auch Glossen zum großen Pentateuchkommentar des Jakob ben Ascher.22 Brunas Sohn R. Manasse bekleidete die Stellung eines Rabbiners (oder Dajjans) in Prag.23 1476 weilte Bruna selber dort.24 Siehe noch: Grätz VIII, S. 263ff. und Note 5; Güdemann III, S. 20f. u. a. O.; Weiß E.H., V, S. 259-262; A. Berliner, MGWJ. 1869, S. 317; Freimann, Nr. 82; EJ. IV, s. v. Die hier verwendeten Auszüge aus 33 Responsen Brunas sind von uns in 21 Stücke nach den einzelnen Begebenheiten gegliedert, wobei jedes Stück das ganze Material, auch im Falle es verschiedenen Responsen entnommen ist, umfaßt, das sich auf die betreffende Begebenheit 104 4