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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 81

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 81 (sequence 83)
Language
German
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IRI
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jetzt „Raw" (Rabbiner) nennt, stirbt, da müssen alle zum Zeichen der Trauer die Kleider zerreißen/4302 Doch damit ist nicht erwiesen, daß er festbesoldeter Gemeindebeamte war. Bezahlter Beamte ist nur der Vorsänger (Chasan) oder „schliach Zibur" (= der Abgesandte der Gemeinde303). Die Vorsänger waren auch Schächter; sie bekamen gewisse Fleischteile als Schlachtgebühr.304 I. O. S. tritt dafür ein, daß der Sohn dem Vater im Amte des Vorsängers folgen soll. In Magdeburg starb der Vorsänger R. Jakob. Da er einen Sohn hinterließ, der sich mit dem Torastudium beschäftigte und würdig war,305 an die Stelle seines Vaters zu treten, ergriff I. O. S. für ihn Partei.306 R. Jehuda der Fromme war ein Gegner besoldeter Vorsänger, ist aber der Ansicht, wenn er bezahlt werden muß, dann aus der Gemeindekasse.307 Den Gemeindemitgliedern aber Lasten aufzuerlegen, durch Spenden bei Hochzeitsmählern, am Torafreuden- und Losfeste ist nicht gestattet. Elieser aus Böhmen308 trat ihm scharf entgegen und erwiderte: Wenn du die freiwilligen Spenden für den Vorsänger verbieten willst, was soll dann in Polen, Rußland309 und Ungarn geschehen, dort gibt es keine Schriftgelehrten, da sie durch ihre gedrückte Lebenslage sich dem Torastudium nicht widmen können. Sie müssen einen kundigen Mann bestellen, wie sie ihn gerade finden, er muß als Vorsänger, Lehrer für Kinder und Religionsweiser fungieren und dessen Einnahmen bestehen aus freiwilligen Spenden. Wenn man ihnen dies verbietet, so würde der feststehende Lohn zur Erhaltung nicht ausreichen. Die Gemeinden müßten dahinschwinden, denn sie würden ohne Lehrer, ohne Gebet und ohne Religionsweiser bleiben. Und selbst wenn du deine Worte zurückziehen würdest, so fürchte ich, daß deine früheren Worte schon großen Anklang gefunden und dadurch Schaden angerichtet haben.310 Auch für die Bitte um göttlichen Segen (hebr. mi scheberach) für den zur Tora Gerufenen, erhielt der Vorsänger Spenden. I. 0. S. kann das nur dann gutheißen, wenn der Vorsänger ein armer Mann ist.311 Der Gemeindediener wurde (Chasan ha-Kneses312) Sänger der Synagoge genannt. Dieser nahm die Bannverkündigung313 vor und war auch der Schulklopfer, der die Gemeindemitglieder in die Synagoge rief und den Eingang des Sabbat ankündigte.314 n) Geschichtsqwllen: Von geschichtlichen Nachrichten finden wir bei I. O. S. solche über den Krieg zwischen Philipp v. Schwaben und Otto IV.315 (1198), die Judenverfolgung von Frankfurt im Jahre 1241.31* I. O. S. ist die älteste Quelle, welche R. Amon aus Mainz als Verfasser des Gebetstückes „Untane Tokef" anführt.317 39 81

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