Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 81)
- Language
- German
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ihn nicht in Empfang nehmen, bedeckte ihr Anlitz und wollte nicht darauf schauen. Eine andere Frau, die neben ihr stand, nahm den Gürtel in Empfang aus der Hand des Y. Dann nahm Y den Ring und sprach: „Das ist der Ring, den dir der Jüngling geschickt hat, um dich ihm anzugeloben." Sie antwortete nicht, sondern bedeckte ihr Anlitz, um nicht auf sie zu blicken. Die Frau, die neben ihr stand, nahm den Ring aus der Hand des Y, wie sie den Gürtel genommen hatte. Es hat aber niemand gehört, daß sie dem Y gesagt hätte, ihn ihr in die Hand zu geben. Einer der zwei Männer von der Straße erzählte dies, der zweite ist schon gestorben. Auch Y schilderte den Vorgang in gleicher Form. Auf Grund dieser Schilderung erzählte man in ihrer Stadt und in anderen Städten, sie sei dem Jüngling aus Jarka angelobt.286 Die Hochzeit (Chupa Trauungszelt) und das Hochzeitsmahl war später. Bei der Eheschließung und beim Festmahle, aber auch während der sieben Mahlzeittage wurden die sieben Segenssprüche gesprochen.287 Wenn Bräutigam und Braut das Hochzeitshaus verlassen, beide in einen anderen Ort gehen, dann werden während der Festwoche die sieben Segenssprüche nicht gesagt. Es ist einmal geschehen, daß das Brautpaar außerhalb des Hochzeitshauses speiste, da verbot I. O. S. das Sprechen der sieben Segenssprüche.288 „Du fragtest wegen eines Mannes, der seit drei Jahren verheiratet ist und sich seinen ehelichen Pflichten nicht unterziehen kann, ob man ihn zur Scheidung zwingen könne.289 Du schriebst, man hätte ihn gefesselt und ins Gefangenenhaus gesetzt, du hast mir aber nicht mitgeteilt, wie sich die Sache verhält und warum er den Koitus nicht ausüben kann. Ist er ein Verschnittener oder hat er eine andere Krankheit, eine Wunde auf dem Leibe? Oder ist er durch Zauberei gebunden? Oder gesund, nur hat er sich der Ausübung der ehelichen Pflichten enthalten, weil er sie nicht bezwingen kann? Ähnliche Fälle finden sich ja häufig."290 k) Polygamie: Mein Lehrer R. Elieser aus Metz erlaubte einem Manne, der die Leviratsehe eingehen wollte, zwei Frauen zu heiraten. Das Verbot des R. Gerson, zwei Frauen zu heiraten, findet in diesem Falle keine Anwendung, denn es kann gegen ein biblisches Gesetz nicht Platz greifen.291 Wenn der Schwager die kinderlose Schwägerin heiraten will, beide darin einig sind, so verbietet man es ihnen nicht.292 Ein Mann wollte sich von seiner Frau scheiden lassen und wollte die kinderlose Schwägerin heiraten. Simson b. Abraham meint, das ist fast Blutschande und es scheint ihm beinahe unglaublich, daß die Großen im Reiche dies zulassen werden. Wer dies tut, weicht vom Wege Israels ab und verdient, daß man ihn in allen israelitischen Landen in den Bann legt.298 Ein kinderloser Mann gab seiner Frau, während schwerer Krankheit einen Scheidebrief, damit sie nicht nach seinem Tode zur Levirats- 37 79