Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 74)
- Language
- German
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Sabbat mit dem Anzünden der Lichter beginnt. Doch mir scheint es, wer die Sabbatlichter in seinem Hause anzündet, wodurch er die Sabbatweihe auf sich genommen hat, darf die Sabbatlichter in der Synagoge nicht mehr anzünden (es wäre ja Sabbatschändung). Deshalb ist es in unserem Königreiche (Böhmen, s. Einleitung) Brauch, daß, nachdem das „Dreimal heilig" (hebr. Keduscha) in der Synagoge rezitiert wurde, die Diener und Kinder verkünden, es ist bereits Zeit, den Sabbat zu heiligen, die Arbeit (Werktätigkeit) einzustellen, es sei aber noch Zeit, einen kleinen Fisch zu braten und den Ofen mit Brot zu verkleben. Es ist Brauch, alle Lichter im Hause zuerst anzuzünden, dann die Lichter auf dem Tische, welche für den Sabbat bestimmt sind.214 Bei uns in Böhmen ist es Brauch, daß der Vorsänger nach dem Morgengebete am Sabbat, das Gebet (Kaddisch215) „von der Heiligung des göttlichen Namens" spricht und dann „en komaucho"216 (wer gleicht dir, o Gott) laut vorträgt. Nach Beendigung des Gebetes wurde das Ausheben der Torarolle aus der Bundeslade versteigert das meistens von einem angesehenen Gemeindemitgliede gekauft wurde. Das ist ein sehr schöner Brauch. In den Rheinlanden ist dieser Brauch nicht vorhanden. Am Sabbat, beim Vespergebet wird das Gebetstück „Zidkos'cho Zedek" (deine Gerechtigkeit ist ewiges Recht) gesagt, weil Moses am Sabbat, um diese Tageszeit gestorben ist. Es gilt die Vorschrift, „wenn ein Weiser stirbt, müssen die Lehrhäuser die Vorträge einstellen". In den Rheinlanden werden zwischen Vesper- und Abendgebet (am Sabbat) Vorträge gehalten.217 Im Rheinlande ist es Brauch, daß der Vorsänger am Sabbatausgange erst das Gebet verrichtet und dann das Licht anzündet.218 Was den Segen über den Wein in der Synagoge beim Eingange des Sabbats betrifft,219 sagtest du „sie seien Toren". Diese Einrichtung wurde nur für Fremde (Gäste, durchwandernde Arme) getroffen und es sind keine Fremden in der Synagoge. Es tut mir leid um dich, ich zürne dir sehr, weil du deinen Mund zum Sündigen geöffnet hast. Ich wundere mich über einen solchen weisen und klugen Mann, wie du es bist. Weißt du denn nicht, daß alle Geonim und heiligen Männer, unsere Lehrer in Mainz, Worms und Speyer, von dort hat sich ja die Lehre über ganz Israel verbreitet, diesen Brauch seit Gründung der rheinländischen Gemeinden eingerichtet haben? In ganz Deutschland und in unserem Königreiche haben unsere Väter, die Väter unserer Väter, fromme heilige Männer, die Weisesten der Weisen, diesen Brauch geübt und du wolltest diesen töricht nennen und anders entscheiden? Nein, der Brauch ist üblich. In Böhmen ist es Brauch, am Sabbatausgange Loblieder zu singen, die der Prophet Elia gedichtet hat. Es wurde gefragt, ob dieser Brauch löblich ist, und es wurde gesagt, dieser 72 30