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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 73

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 73 (sequence 75)
Language
German
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Brauch sei löblich. Man begleitet den Ausgang des Sabbats mit Lobliedern, gleich wie die Menschen einen König begleiten.220 Wir in Böhmen verrichten die Segenssprüche gemeinsam.221 In Speyer ist es Brauch, daß der in „düstere Trauer" Versetzte in die Synagoge geht und betet.222 Es erzählte mir mein Lehrer E. Elieser b. Joel ha-Levi, daß die Ahroniden (Priester) in Mainz den Brauch haben, wenn sie am Versöhnungstage zur Heiligen Lade emporsteigen, um den Priestersegen zu erteilen, die Lichter vor der Heiligen Lade entfernen. Sein Vater aber, R. Joel, hat dies verboten.223 Am Vorabende des 9. Ab geht der Trauernde (während der sieben Trauertage) nicht in die Synagoge. Am Morgen des 9. Ab geht er in die Synagoge, sitzt dort auf der Erde, bis nach Beendigung der Klagelieder.224 Das Ausheben der Torarolle aus der Lade wurde an den Meistbietenden verkauft. X wollte dies der Gemeinde verbieten, er meinte, dies sei eine Synagogenehrung, die dem Vorsänger gebührt. I. O. S. erlaubte aber das Verkaufen mit der Begründung, daß der Ertrag daraus der Almosenkasse zufällt.225 Bei uns in Böhmen und im Rheinlande ist es üblich, daß nach Beendigung des Gebetes „en kelohenu" ein Waisenknabe das Kaddischgebet sagt, während in Frankreich der Knabe, welcher dieses Gebet verrichtet, kein Waisenkind sein muß.226 b) Bräuche und Vorschriften für Sabbat und Festtage: Wir in Böhmen, im Gegensatz zu Frankreich und dem Rheinlande verkleben vor Eingang des Sabbats die Öffnung des Ofens, das ist für alle Fälle erlaubt.227 Ich (I. O. S.) sah in Frankreich im Hause meines Lehrers R. Jehuda b. Isaak, als das Zalant228 (= Chalant), welches auf Kohlen gestellt wurde, erkaltete, da machten die Knechte in der Nähe der Töpfe ein Feuer an, damit die Töpfe daran erwärmt wrerden. Manche nahmen auch die Töpfe von ihrem Platze und stellten sie in die Nähe des Feuers; das kann nicht verboten werden, zumal die Knechte dies für sich machen. So geschieht es auch bei Hochzeiten und niemand weigert sich, das Essen zu genießen. Auch R. Tarn und alle Großen der Zeit erlaubten es. In Ländern, in welchen keine Gelehrten leben, soll man dies verbieten 229 Es kommt häufig bei uns in Böhmen vor, wenn Freitag die Hochzeit stattfindet, daß am Abend beim Hochzeitsmahle Sabbatgesänge aus Gebetbüchern rezitiert werden, trotzdem die Lichter brennen, und niemand verbietet dies.230 Das Gebet „bemozoe jaum menucha" am Ausgange des Ruhetages ist in Prag entstanden und wird dort am Ausgange des Versöhnungstages in der Synagoge laut vorgetragen.231 Bei uns in Böhmen berührte man am Sabbat kein Licht, selbst hängende Lichter und Wachslichter nicht. Wenn Frauen das Licht berühren, so hielten sie zur Buße einen Fasttag.282 Bei uns ist es Brauch, am Sabbat nach Verlassen der Synagoge, Kranke und Trauernde zu besuchen.233 Es ist ein löblicher 31 73

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