Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 73)
- Language
- German
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Bräuchen. Besondere Minhagim (hebr. Bezeichnung für Sitten und Bräuche) setzen aber auch eine Reihe von Gelehrten voraus, die dieselben sanktionierten und mit dem Religionsgesetze in Einklang brachten. Diese Voraussetzungen sind für die Zeit von 1150 bis 1250 für die Kulturgeschichte der Juden in Böhmen gegeben. So spärlich auch die Nachrichten über die Juden in Böhmen im 11. und 12. Jahrhundert fließen, so wissen wir doch aus dem Reiseberichte des Benjamin aus Tudela,203 daß im Lande Kanaan (Böhmen) schon lange Juden lebten. Wir kennen aber auch aus der rabbinischen Literatur eine ganze Reihe von Gelehrten aus der Mitte des 12. und 13. Jahrhunderts, welche über die Gebräuche in Böhmen aus dieser Zeit berichten. Der Ruf der Gelehrten von Böhmen, die in der rabbinischen Literatur mit dem Namen „rabosei schebeböhm" bezeichnet werden, ging weit über die Grenzen ihres Landes hinaus. Efraim b. Isaak sagt von den Gelehrten im Lande Kanaan, sie seien von tiefgründiger Weisheit.204 Elieser b. Nathan, ein Zeitgenosse des R. Jakob Tarn, erzählt, daß er während seines Aufenthaltes in Böhmen, Bräuche üben sah, welche die dortigen Weisen gelehrt haben.205 Im folgenden Kapitel wollen wir eine Sammlung religiöser Bräuche zusammenstellen, die wir in den zerstreuten Notizen bei Or Sarua vorfinden; aber zunächst das berücksichtigen und hervorheben, was sich in seinen Schriften auf Böhmen206 (Kanaan, s. Einleitung) und Prag207 bezieht. In Böhmen und Sachsen hat I. O. S. seine Jugend verlebt. Wo er das Licht der Welt erblickte, darüber gibt sein Werk auch nicht andeutungsweise Aufschluß. Daß aber Böhmen das Land ist, wo er am meisten gewirkt hat, ist mehr als wahrscheinlich (vgl. Einleitung). In Böhmen lebte er auch als reifer Mann, sammelte Schüler um sich, die seinen Worten lauschten. Um sich diesen verständlich zu machen, verdolmetschte er einzelne Worte durch böhmische Ausdrücke,208 deren gründliche, sprachwissenschaftliche Erforschung durch einen tschechischen Philologen für die Kenntnis und Aussprache des Tschechischen im 12. Jahrhundert sicher von Wert wäre.209 a) Synagogale Bräuche: In Frankreich verrichtet man die Segenssprüche mit entblößtem Haupte.210 Am Torafreudenfest rufen sie Kinder zur Tora und sprechen den Gottesnamen mit entblößtem Haupte aus. Ich weiß nicht, wie man diesen Brauch aufrecht erhalten kann. Am Torafreudenfest verließ211 ich (I. O. S.) das Gotteshaus, weil der Vorsänger für 6 Pfennige mehr als vierzigmal willkürliche Absätze beim Vorlesen aus der Tora212 machte. In Frankreich sah ich sogar am Sabbat reiche Leute barfuß gehen; sie gingen auch in der Synagoge barfuß und wurden auch so zur Tora gerufen. Man soll aber sogar an Werktagen nicht barfuß gehen.218 Es ist die Norm festgesetzt, daß die Weihe des 29 71