Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 69)
- Language
- German
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wünschen wir, daß das neue Jahr ein fettes und süßes sei. Wir essen Möhren,165 damit sich unser Besitz vermehre.166 Wir essen Porree, damit unsere Feinde verschwinden.167 Mein Lehrer R. Joel ha-Levi führt Beweise aus dem Talmud an, daß gewisse Zeichen Bedeutung für das Leben haben. Deshalb sollen wir auch oben genannte Gemüse und Datteln am Neujahrsfeste essen. Bei uns ist es Brauch, den Kopf eines Widders zu essen und den Kopf in Honig einzutauchen, damit das Jahr, welchem wir entgegengehen, süß und fett sei." I. O. S. erzählt:168 „Ich habe aus dem Munde des R. Jehuda des Frommen — sein Andenken zum Segen169 — gehört, daß einmal ein bedeutender und anerkannter Lehrer in der Synagoge seinem Unmute Ausdruck gab, weil man die Segenssprüche lange hingezogen hat. Er aber wollte rasch fertig werden, um zu lernen, er wurde auf dieser Welt noch (von Gott) dafür bestraft. Auch hörte ich einen Ausspruch des R. Jehuda des Frommen — sein Andenken zum Segen —, der sagte: Im Winter, wenn eine große Kälte ist, ist es besser, daß mangelhaft Bekleidete die Synagoge verlassen und in ihre Häuser gehen sollen, man soll aber ihrethalben das Lob (Gebete) Gottes nicht kürzen. Ich (I. O. S.) habe einen Juden aus Worms gekannt, man nannte ihn R. Bunam, er war alt, vom Berufe Totengräber, und habe aus sicherer Quelle gehört, daß er, als er einmal frühzeitig am Morgen in die Synagoge ging, einen Mann vor der Synagoge sitzen sah, der auf seinem Kopfe einen Kranz von Gräsern hatte, die man „Zpl" und wir in der böhmischen Sprache kw(v)etni170 vizz171 nennen. Er erschrak sehr, dachte, es sei ein Gespenst, rief ihn an und sprach zu ihm: „Bist du nicht der Mann, der unlängst gestorben ist und den ich begraben habe?" Er antwortete: „Ja.u Da sprach er zu ihm: „Wieso bist du wieder auf dieser Welt?" Er antwortete: „Sehr gut." Da sprach er zu ihm: „Welche Verdienste hast du denn, du warst ja doch nur ein geringer Mensch?" Da antwortete er: „Nur durch das Verdienst, daß ich die Segenssprüche mit angenehmer Stimme in der Synagoge vorgetragen habe, haben sie mich ins Paradies gebracht und verehren mich und dies sei dir ein Wahrzeichen, daß ich es bin, der zu dir spricht, du kannst den Ärmel meines Hemdes sehen, welchen du zerrissen hast, als du mir die Totenkleider anlegtest." Da fragte er ihn: „Was trägst du auf dem Kopfe?" Er antwortete: „Das sind Gräser aus dem Paradiese, welche ich auf mein Haupt gelegt habe, um die üblen Gerüche von dieser Welt (der irdischen) von mir zu verscheuchen." Diese Geschichte habe ich, der Verfasser (I. O. S.), niedergeschrieben, damit der Gottesfürchtige sehe und sich zu Herzen nehme, die Loblieder Gottes mit angenehmer Stimme und Andacht vortrage und sich dadurch das Paradies verdiene.172 In O. S. wird unter dem Namen des R. Jehuda des Frommen überliefert, daß die Gespenster gläubig 25 67