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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 55

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 55 (sequence 57)
Language
German
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waren ja zwei Brüder. Zur Zeit des Aufstandes in Plnu82 machten wir Gefangene in Primut88. Damals wurden diese zwei Brüder geraubt. Als man die Gefangenen aus der Stadt auf das Feld führte, wurden sie aufs Feld hingeworfen. Man führte auch uns heraus, gefesselt an den Händen, da sahen wir beide auf dem Felde liegen, weinend und seufzend. Da sahen wir einen Knani84 (Böhmen), ich kannte ihn und bat ihn, uns in sein Haus zu nehmen und auch diese Knaben aufzunehmen. Wenn der Himmel sich unser erbarmen und aus der Gefangenschaft befreien wird, werde ich ihn ehren und gerne belohnen. So geschah es. Ich wurde wie durch ein Wunder befreit, kam aus der Gefangenschaft, ging in das Haus des Kananiten, diese Knaben zu suchen. Er sagte mir, der eine ist tot, der andere steht vor dir. Ich nahm ihn und brachte ihn zu mir ins Haus. Nach einiger Zeit hörten wir, daß ein Nichtjude einen Knaben nach Prag85 zum Verkauf gebracht habe. Der Knabe sagte: Ich bin einer, der in der Stadt „Primut" gefangen wurde und kam zu einem griechischen Juden. Ein befreiter Sklave, der aus Knani-Ja van (Bulgarien) kam, erzählte noch: Ich habe den Knaben in Konstantina (Konstantinopel) gesehen. Nun soll der Rabbiner über das Schicksal der Witwe entscheiden, ob sie heiraten darf.86 Über einen Streitfall wegen einer jüdischen Sklavin, der in der Slowakei vorgefallen ist und dem I. O. S. zur Entscheidung vorgelegt wurde, wird in Or Sarua87 folgendes berichtet: „Ferner forderte Salomon: Ich hatte eine Sklavin (Jüdin), die jetzt bei dir ist; ich hatte dich bereits ihretwegen bei Gericht verklagt und man hat entschieden, daß du sie mir zurückgeben mußt. Nun gib mir sie zurück." R. Isak entgegnete: „Zeige mir das gerichtliche Urteil oder bringe mir Zeugen, daß so entschieden wurde." Salomon konnte aber weder ein gerichtliches Urteil vorzeigen noch Zeugen bringen. Beide Parteien willigten ein, daß die Angelegenheit vor mir (Isak Or Sarua) verhandelt werde. Salomon brachte gegen Isak vor: „Ich hatte eine Sklavin, die mir Geld gestohlen hatte. Sie ist von mir zu einem Christen entflohen und ließ sich taufen. Dann bereute sie es, doch ich durfte sie nicht bei mir behalten, ich sagte ihr, sie soll nach Jarka88 gehen zu einem meiner Freunde, bis die Angelegenheit vergessen wird. Zwei Juden nahmen sie von dort und verkauften sie dir; gib mir nun meine Sklavin zurück." Rabbi Isak erwiderte: „Deine Sklavin hat sich von dir frei gemacht, indem sie sich in die Hand eines großen Fürsten begab, welcher der zweite nach dem Könige war (wahrscheinlich der Palatinus gemeint). Du hättest keine Macht, sie zurückzubekommen. Als sie nachher sah, daß man mit ihr wie mit einer öffentlichen Dirne umging und ihr ein schweres Joch auferlegte, entfloh sie von dem Fürsten zu den Juden nach Jarka und blieb dort verborgen, bis zwei Juden sie zu mir brachten und sie mir verkauften. 13 55

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