Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1938-01-01 · 9 (1938) · p. Seite 53

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
9 (1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 53 (sequence 55)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2644300-2644309--3857-2648206
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mir in Händen hast, gib es meinem Sohn. Sie gab ihm 10 Mk. in Gold, er gab ihr diese wieder in Verwahrung, denn er hatte Furcht vor dem Fürsten und durfte sich nicht zeigen. Später verheiratete die Schwester seiner Mutter ihre Tochter und benötigte Geld zum Ankauf eines Schmuckes für ihre Tochter. Da sprach sie zu ihm: „Ich will von deinem Gelde nehmen, es ihr geben und werde es dir später bezahlen." Er sagte zu ihr: ,,Tue also.6' Ferner sagte sie ihm, sie habe einer Jüdin zwölf Pfund auf halben Gewinn gegeben, einer anderen auch soundsoviel.67 In einem anderen Falle tritt eine Frau bei einem Streit um ein Pfand als Zessionsinhaberin auf.68 Zu den Geldgeschäften gehören auch die Vorschüsse, welche Nichtjuden auf Getreide nehmen, welches sie später liefern werden69 Die nichtjüdischen Dorfbewohner nahmen von den jüdischen und nichtjüdischen Ladenbesitzern Geld, dafür brachten sie ihnen nach einem oder zwei Tagen Gemüse in die Stadt.70 Handel (Warenhandel). Neben den Geldgeschäften bildete den wichtigsten Erwerbszweig der Juden im Mittelalter der Handel, den sie sowohl untereinander, als auch mit Nichtjuden betrieben. Die Übergabe des Schlüssels des Lokales, in welchem die Ware verschlossen war, oder Anbringung eines Zeichens an der Ware galt als Form der Besitzergreifung.71 Von Gegenständen, mit welchen die Juden Handel trieben, sind uns aus O. S. folgende bekannt: Handel mit Waffen. Or Sarua bemerkt:72 In unserer Zeit ist es erlaubt, den Nichtjuden Waffen zu verkaufen, denn sie schützen uns, und es ist nicht ihre (der Käufer) Gepflogenheit, Juden zu töten.73 Und selbst wenn sie in anderen Ländern kämpfen, so geschieht dies, um uns vor den Feinden zu schützen, daß sie nicht in unser Land eindringen können. Und wenn auch Juden in dem Lande, gegen welches sie kämpfen, leben, dürfen wir ihnen dennoch Waffen verkaufen, denn sie wollen uns retten, vielleicht würden sie dort keine Juden töten. Sklavenhandel: Der Sklavenhandel war in den slawischen Ländern besonders in Böhmen74 (Prag), das den Hauptmarkt bildete, stark verbreitet. Aus den slawischen Ländern bezog man die Sklaven, welche sich meist aus Kriegsgefangenen rekrutierten. Auch die Juden nahmen am Sklavenhandel regen Anteil. Die Chroniken erzählen, daß der heilige Wenzel, aber auch der Bischof Adalbert (982 bis 989) von den Juden Sklavenkinder, Knaben und Mädchen, und auch andere heidnische und christliche Kriegsgefangene loskauften, um sie zu befreien und in der christlichen Religion zu erziehen. Der Sklavenhandel blühte aber weiter, wurde auch in späteren Zeiten unter öffentlichem Schutz betrieben. Noch zur Zeit des Isaak Or Sarua kam es vor, daß Juden Sklaven hielten. Auch ihren Sklaven gegenüber waren die Juden human und das biblische Sklavengesetz wurde in jener Zeit 11 53

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.