Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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uns Böses zu tun, sie gehen ja dabei sicher. Viele von den Fürsten zankten mit ihm oft wegen der Pfänder, die in seiner Hand waren; wegen der Zinsen ließen sie diese durch Ränke wegschaffen und belogen ihn ständig. Hie und da verkaufte er auch Pfänder. Manchmal haben sie ihn gefangen genommen, haben ihn zur Auslösung geführt und er wurde gerettet. Manchmal wurden andere Juden gefangen genommen und zur Auslösung geführt, büßten seinethalben ihr Geld ein. Ein anderes Mal nahm man einige seiner Kinder gefangen, diese wurden aber gerettet. Bei dieser Gefahr wurde auch er gerettet. Er und andere gingen aus und ein bei dieser Gefahr bis zu der Zeit, nach welcher der König von Frankreich mit seinem Heere und mit den ,Heeren von Bourgogne6 zu Hilfe kam. Sie belagerten eine Festung, welche eine halbe Tagesreise von seiner Stadt entfernt war. Es pflegten die Bewohner seiner Stadt dorthin zu gehen, nämlich zum Heere, um ihnen zu verkaufen und die Beute von ihnen zu kaufen. Dieser X ging auch früher dorthin, wie es seine Gepflogenheit war. Das Heer hielt sich dort an drei Monate auf. Die Kriegsleute erbeuteten, was ihnen in die Hand kam. Alle, welche den Städten nahe waren, sandten die Beute in ihre Häuser und als sie zurückkehrten, führten sie aus dem Besitze des Königs reiche Beute mit. Die übrigen Fürsten, welche Beute machten, waren dem X feindlich gesinnt. Ehe die Fürsten aber heimkehrten, verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, daß X im Gefangenenhause eingesperrt sei. Es haben ihn eben Feinde auf dem Wege getroffen, führten ihn an ihren Wohnort. Andere wieder erzählten, daß er in einem fernen Orte gefangen genommen wurde, denn dort waren Feinde, die in der Ferne waren. Weiter wurde berichtet, daß er erschlagen wurde. "55 Der Wucher wurde den Juden im Mittelalter in kultureller und sozialer Beziehung verhängnisvoll, aber dieser Haß wurde nicht auf den nichtjüdischen Wucherer, der häufig der Sozius des Juden war, übertragen; denn Nichtjuden waren sehr oft die Geldgeber der Juden.56 Die größten jüdischen Handelsleute und Geldverleiher hatten christliche Geschäftsfreunde, Marufia57 (feste Kundschaft) genannt, mit welchen sie alle Geschäfte gemeinsam unternahmen; ein anderer Jude durfte ihn nicht verdrängen, durfte mit dem Geschäftsfreunde nicht in Verbindung treten.68 „Wenn ein Jude einen Marufia hat, der stets von ihm Geld leiht, darf ein anderer Jude ihn nicht an sich reißen, um ihn dem andern zu entfremden, denn es gibt genug Leute, die Darlehen aufnehmen."59 Juden machten auch untereinander Geldgeschäfte auf Gewinnanteil, weil ja dem Juden verboten war, von dem Volksgenossen Zinsen zu nehmen. „X borgte dem Y soundsoviel Pfund auf halben Gewinn. Er fuhr aber auf einem Wagen und hatte einen kleinen Jungen 9 51