Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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Von seiner Familie kennen wir seinen bereits genannten Sohn Chajjim, (Elieser) Or Sarua47 aus Wien und seinen Schwiegersohn Samuel ben Sabbatai.48 Beschäftigung der Juden Geldhandel. Wenn auch das biblische Gesetz den Juden das Zinsennehmen und Zinsengeben nur vom Volksgenossen verbietet,49 so haben die Rabbiner das Zinsennehmen selbst von Nichtjuden nicht gerne gesehen. Juda ben Samuel, der Fromme genannt, sagt: „Es ist verboten, von einem Israeliten Zinsen zu nehmen und ebenso von einem Nichtjuden, wenn man sich anderweitig ernähren kann".50 Nur den Schriftgelehrten, die keinen anderen Erwerb hatten, als Handel mit Juwelen oder Geldhandel, wollte man das Zinsennehmen von Nichtjuden gestatten, damit sie das (Tora) Studium pflegen können.51 Der Geldhandel wurde zum zweischneidigen Schwert, einerseits wurde dem Juden, welcher Darlehen gewährte, trotz religiöser und nationaler Unduldsamkeit der Aufenthalt im Lande gestattet, anderseits aber ist im Mittelalter das Verleihen von Geld gegen Zinsen die Quelle des Hasses gegen die Juden geworden.52 Der Jude war ein sehr gern gesehener Gast, wenn er in Zeiten der Geldnot das nötige Kapital herbeischaffte, aber der Neid, mit welchem Christen auf den Juden blickten, der der Geldgeber war, erweckte Haß und Feindschaft, man verachtete den Gläubiger, versuchte sich seiner zu entledigen. Über den Haß und die Atmosphäre, in der der Jude gelebt hat, gibt uns ein R. G. A. des R. Gerschom b. Jehuda, zitiert im Or Sarua I, § 098, Aufschluß;53 „Ich Gerschom, Sohn Jehudas, welcher unten gefertigt, mir wurde folgende Frage vorgelegt: X pflegte an verschiedenen Orten, vielen Städten in der Nähe seines Wohnortes ein oder zwei Tagreisen entfernt zu weilen, wo er bei seiner festen Kundschaft54, bei den Herrschern der Städte, kaufte und verkaufte. Wenn es nun diesen an Bargeld fehlte, übergaben sie ihm Pfänder von Gold und Silber. Manchmal tauschte er auch Waren gegen Vieh ein, welches sie von den Feinden erbeutet haben. Den Kaufpreis für das Vieh schätzte er niedrig (billig) ein, brachte es in sein Haus, verkaufte es dann teuer und erzielte dabei einen Gewinn. Dieses übte er so sechs bis sieben Jahre. Die Herzen der Dorfleute, welche beraubt wurden, waren ihm daher übelgesinnt, desgleichen die Herzen ihrer Herrren, der Fürsten, denn sie sagten: ,Dieser Jude hetzt unsere Feinde auf uns, nachdem er immer bereit war, die Beute zu kaufen, deshalb ist es ihre Gepflogenheit, 50 8