Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 50)
- Language
- German
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Land" bezeichnet. Zu dem Ausdrucke Kanaan ist zu bemerken: In der mittelalterlichen rabbinischen Literatur werden mit Kanaan die von Slawen bewohnten Länder bezeichnet (darunter wurde das biblische Kanaan, Gen. 9, 25 verstanden), weil sie ihre Kinder als Sklaven verkauften.22 Die nähere Bestimmung der jeweils darunter verstandenen Länder ist ein heute noch ungelöstes Problem. Bei I. O. S., der viel von den Sitten und den Gelehrten Kanaans zu berichten weiß, sind Rußland und Polen wohl ausgeschlossen, da zu seiner Zeit dort keine Gelehrten lebten.28 Die Annahme von Zunz,24 es sei darunter auch das damals von Slawen bewohnte Österreich zu verstehen, dürfte mit Rücksicht darauf, daß I. O. S. an einer Stelle Österreich25 Ostaria nennt, abzulehnen sein. Das einzige Land, das wegen der großen Zahl seiner Gelehrten und wegen der von der Norm festgesetzten religiösen Sitten in Betracht kommt, ist Böhmen.26 Er spricht des öftern von seinen Lehrern in Böhmen27 und ist mit den Verhältnissen in Prag und Böhmen wohl vertraut. Sachsen bezeichnet er nur zweimal als „unser Land"28 dagegen Kanaan viel häufiger, wobei er auch den Ausdruck „in unserer Sprache Kanaan"29 benutzt. Aber selbst wo er das Wort Kanaan in diesem Zusammenhange wegläßt, weisen die zur Erklärung angeführten Worte unzweideutig auf böhmischen Ursprung hin.30 Der Lebenslauf des I. O. S. wird auch durch die Nennung der Gelehrten, die er als seine Lehrer bezeichnet, bestimmt. Berücksichtigt werden hier nur diejenigen, die tatsächlich persönlich auf ihn einwirkten, da der Ausdruck „Lehrer" als Höflichkeitsformel oft viel weiter gefaßt wird. Diese sind: Juda der Fromme von Regensburg, wirkte von 1150 bis 121731, dessen Schüler Eleasar ben Jehuda aus Worms32, gest. 1230. Beide sind bedeutende Vertreter der damals in Deutsehland auftretenden mystischen Richtung, deren Einfluß auch bei Isaak Or Sarua unverkennbar ist. Juda Sir Leon33, gest. 1224. Leiter eines Lehrhauses der tossafistischen Richtung in Paris; Elieser ben Joel ha-Levi34, gest. 1235, lebte in Speyer, Bonn35, Würzburg36 und Köln37, der als der wichtigste Lehrer unseres Autors anzusehen ist; Simcha b. Samuel aus Speyer38, starb wahrscheinlich im Jahre 1240; Jakob b. Meir von der Provence39; Jonathan b. Isaak40; Simson de Coucy, genannt der „Fürst von Coucy"41. Die Darstellungen der einzelnen Phasen des Lebens des Isaak Or Sarua bei Groß, Wellesz, Vogelstein und Tykocinski sind bloße, auf Vermutungen beruhende Konstruktionen, auf Grund des vorliegenden Materials erscheint es unmöglich, eine zusammenfassende Darstellung seines Lebens zu entwerfen. Das Werk „Or Sarua" hatte auf die spätere rabbinische Literatur in dezisorischer Hinsicht entscheidenden Einfluß, was seine ungemein häufige Anführung beweist. Allerdings scheint den meisten Autoren nicht 48 6