Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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einziges wissenschaftliches Buch ausfindig machen können, das nicht durch Stobbes Werk unmittelbar Quellenstoff oder mittelbare literarische Hinweise erhalten, Förderung und Anregung empfangen hätte. Die Anzahl der Abhandlungen dieser Art, die ohne Stobbes Leistung überhaupt nicht hätten geschrieben werden können, ist nicht gering. Stobbes Buch selbst ist längst vergriffen und auch im Antiquariatsbuchhandel schwer und selten aufzutreiben. Die Nachfrage in wissenschaftlichen Kreisen war stets so groß, daß mehrmals auf photomechanischem Wege Neudrucke hergestellt werden mußten.28 Die wissenschaftliche Wirkung dauert an. Ja, sie verstärkt sich noch zusehends, je größeres Interesse sich in der Gegenwart dem Judenproblem und seinen geschichtlichen Erscheinungsformen zuwendet. Im Jahre 1928 mußte der katholische Rechtshistoriker Karl Gottfried Hugelmann29 bekennen: „Stobbe bietet überhaupt meines Erachtens bis heute die übersichtlichste Orientierung über die einschlägigen Tatsachen, allerdings mit einer für die Juden sehr günstigen Beurteilung." Ismar Elbogen, der führende deutschjüdische Historiker, schreibt im Jahre 1937:80 „Stobbes Buch ist noch heute Stab und Stütze des jüdischen Historikers, weil die Forschung nur wenig über es hinausgekommen und in den rechtsgeschichtlichen Untersuchungen das Problem des Judenrechts kaum berührt worden ist." Auch nach 1933 noch haben Stobbes wissenschaftliche Verdienste um die Judenrechtsgeschichte der entschieden judenfeindlich eingestellten Betrachtungsweise und ihren Uterarischen Äußerungen standgehalten. Selbst ein Schriftsteller wie Wilhelm Grau gibt zu:31 „Bemühungen wie die von Otto Stobbe ergaben ein gutes Bild von der rechtlichen Lage der Juden im mittelalterlichen Deutschland", wenngleich er freilieh hinzufügt: „Sie blieben aber vereinzelt und stießen zur eigentlichen Problematik nirgends vor." Aber dem deutschen Schrifttum zur Rechtsgeschichte der Juden aus der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart ist es bisher noch nicht gelungen, über Stobbes Leistung hinauszukommen oder sie auch nur zu erreichen. II. NEUE AUFGABEN DER RECHTS GESCHICHTE DER JUDEN In den mehr als siebzig Jahren, die seit dem Erscheinen des Stobbeschen Werkes verflossen sind, ist ein einziger würdiger Nachfolger mit einer Gesamtdarstellung der mittelalterlichen Rechtsgeschichte der Juden auf den Plan getreten: Johannes E. Scherer, der seinem Buche „Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutsch-österreichischen 11 11