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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 388

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 388)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644311--3765-2648113
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BEILAGE Die Vorschläge auf Erweiterung der Anzahl der erlaubten jüdischen Vornamen im Jahre 1832. Am 30. März 1832 entschloß sich das böhmische Gubernium, die Prager jüdischen Vorsteher und den Oberjuristen Landau durch Vermittlung des Prager Magistrates aufzufordern, daß sie ein Verzeichnis der christlichen Namen ausarbeiten sollen, die sie als Vornamen für ihre Kinder zu gebrauchen gedächten. Es sollten das solche Namen sein, bei denen es möglich wäre, schon im alten Testamente einen analogen Wortlaut nachzuweisen, oder die schon an sich irgendeine Bedeutung beinhalten (z. B. eine Eigenschaft, eine Tugend u. dgl.). Die Anforderung eines solchen Verzeichnisses war die Folge zweier älterer Gesuche der Prager Juden (es waren dies die Ansuchen vom 13. Jänner und 15. Juni 1831) an die Vereinigte Hofkanzlei, daß den Juden bewilligt werde, die Namen christlicher Heiliger zu gebrauchen. Die Prager jüdischen Vorsteher entsprachen dem Ansinnen des Guberniums sofort und übergaben dem Magistrate die verlangten Verzeichnisse am 12. Juni 1832, indes der Oberjurist Landau sich weigerte, die gewünschten Verzeichnisse abzufassen und sie erst nach zweimaliger dringender Urgenz am 13. Dezember 1832 abgab. Das Verzeichnis der Prager jüdischen Vorsteher war kürzer und enthielt weniger Namen als das umfangreiche Verzeichnis Landaus. In beiden Verzeichnissen waren die Namen der christlichen Heiligen zusammengestellt, deren Gebrauch die Juden auf Grund analogisierender Belege aus dem alten Testamente oder auf Grund zahlreicher etymologischer Beweise begehrten, wobei sie den sachlichen Inhalt der Namen auseinandersetzten. Diese Beweisführungen sind ein Ausdruck der damaligen Zeitvorliebe für das Etymologisieren. Manche ihrer Schlüsse waren genug zweifelhaft, ja komisch und rufen durch ihre Naivität beim späteren Leser wohl gar ein Lächeln hervor. Freilich, als Zeiterscheinung dw fan sie nicht übergangen werden, und das umso weniger, als sie einen Beweis bildeten, der die sehr ernstzunehmende Aktion um die Gleichberechtigung der Juden in der Wahl der Vornamen zu stützen bestimmt war. Der Raumersparnis wegen habe ich in dieser Beilage die Namen der beiden Verzeichnisse zu einem Ganzen vereinigt. Bei einem jeden Namen charakterisiere ich kurz deren Auslegung nach den Prager jüdischen Vorstehern (abgekürzt P.) und nach Landau (abgekürzt L.) und weise in Klammern auf die entsprechenden Zitate aus dem alten Testamente (Zahl und Namen des Buches, Kapitel, Vers) und auch auf die etymologische Literatur hin. Männliche Namen, Adolf: Nach den jüdischen Vorstehern (im weiteren mit P. abgekürzt) bedeutet es „Hilfe Gottes", hebr. Asarja (2. Könige 14, 21). Landau (im weiteren mit L. abgekürzt) legt diesen Namen nach der gedanklichen Bedeutung aus als „der, dem Gott geholfen", analog mit dem bibl. Namen Esaria, Esriel (2. Könige 24, 21; 1. Chron. 5, 20). Adrian, auch Hadrian: Nach P. abgeleitet vom Namen der Stadt Adria in Italien, auch von atri aus dem hebr. hadar — schön (1. Moses 36, 39). L. interpretiert ähnlich, empfiehlt aber noch die Analogie mit dem bibl. Namen Adar (1. Mos., 36, 39). Agathon: Nach P. vom griechischen üyadöc, gut, hebr. Tob (2. Chron. 17, 8); auch mit dem Zusätze „gut ist Gott" —Tobia (2. Esra 2, 6); daher Tobias oder Tobel. L. fügt hinzu, daß alle Varianten Tob, Tobias und Tobel guten Sinn haben. Albert: P. behaupten, daß die Wortbedeutung dieses Namens nach der Meinung der Mehrzahl der Etymologen dunkel ist. Es ist dies angeblich ein Name rein 79 387

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