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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 310

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 310)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644311--3687-2648035
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Eine Studie zur Entwicklung der jüdischen Personennamen in neuerer Zeit von Dr. Wenzel Zdcek, deutsch von Oberfinanzrat i. R. Dr. jur. et phil. Friedrich Karl Pick. Im heurigen Jahre feiern wir das Gedenken der in Vergessenheit geratenen hundertsten Wiederkehr der Herausgabe des Hofdekretes vom 20. Juli 1836, mit welchem den Juden die Gleichberechtigung mit der übrigen Bevölkerung der österreichischen Länder zuteil wurde, soweit es um die freie Auswahl deutscher und christlicher Namen bei der Wahl von Vornamen für die jüdischen Kinder ging. Hundert Jahre also erfreuen sich der Vorliebe in jüdischen Kreisen bereits die vielen Namen fremden und insbesondere christlichen Ursprungs, von denen die Juden der früheren Generationen auch nicht im Traume gedacht hätten, daß sich ihrer dereinst ihre Nachkommen bedienen würden. Sie ahnten auch nicht, daß dieses Eindringen nichtjüdischer Elemente bis in die Grundfesten jüdischer Rechtgläubigkeit hinein das Ergebnis einer eifrigen und bewunderungswürdigen Bemühung ihrer Nachfahren der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts werden würde, die gerade in der Gleichberechtigung der Juden mit den Christen bei der Vornamenwahl einen wichtigen Schritt zur vollkommenen rechtlich-politisch-kulturellen Erhebung der Juden auf das Niveau der übrigen Bevölkerung erblickten. Die fortschrittlichen Juden der Zwanziger- und Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts konnten dieses Streben um so eher entwickeln, als sie die Voraussetzungen dafür in der josefinischen Reform der Judennamen fanden, welche die Grundlage bildete, von der sie ausgingen, und die auch zum Gegenstand einer scharfen Kritik gemacht wurde, mit deren Hilfe sie schon Erfolg gehabt hatten. Die josefinische Reform der Judennamen ist so ein wichtiger Maßstab für die Beurteilung des Unterschiedes zwischen zwei Generationen, jener der Väter und der Söhne. Während den jüdischen Vätern der josefinischen Ära die Namenreform im ganzen als unliebsamer Eingriff der weltlichen Macht in ihr abgeschlossenes religiöses Leben erscheint, gegen den sie nur schüchterne Einwendungen erheben und mit dem sie sich zum Schluß ergeben abfinden, geht die Reform den besser vorgebildeten Söhnen nicht einmal genug weit, weil sie die Juden in der Auswahl ihrer Vornamen beschränkte und sie so von der übrigen Bevölkerung absonderte, was gegen ihre andersgerichtete, von der Judenemanzipation beherrschte Weltanschauung war. l 309

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