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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 230

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 230)
Language
German
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IRI
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hier ist anzumerken, wenn auch mit anderem Tonfall als dies ehedem P. Svoboda getan hat, daß die Religionsschwärmerei fruchtbaren Boden in den niederen Schichten der damaligen Gesellschaft fand, in den Kreisen des Landvolkes, eines armen und durch seine soziale Stellung zermürbten Volkes. Auch das ist kennzeichnend, daß wir unter den Gesinnungsgenossen Pitas einer bedeutenden Anzahl Schäfer begegnet sind, die bei ihrer Arbeit hinreichend Zeit und Ruhe zum Spekulieren hatten. Man kann vielleicht darin auch eine bestimmte Form von Rebellion und Protest mit religiösem, aber auch sozialem Einschlag erblicken: die Annahme des Glaubens an einen neuen Messias, der die Welt umgestalten sollte... Wenn die Untersuchungskommission des Prager Appellationsgerichtes auf Grund ihres umfangreichen Materiales zum Schlüsse gelangte, der Anfang der Sekte der sog. Bidschower Israeliten falle in das Jahr 1742, so darf man annehmen, daß dieses Datum in der Tat der Wirklichkeit entsprach, wenigstens was den Ursprung der Kollektivbewegung betrifft. Die Frage, wann Johann Pita zu seinen bekannten „jüdischen" Anschauungen kam, die in der Folge zum Grundsatze der Sekte wurden, wird wohl für immer ungelöst bleiben. Die ersten zwei — drei Regierungsjahre Maria Theresias boten besonders günstige äußere Bedingungen für die Verbreitung des Sektenunwesens in Böhmen, da das Land zum Großteil von bayrischem, französischem und preußischem Militär besetzt war und die politische Administrative andere, wichtigere Sorgen hatte, als das geheime Akatholikentum zu überwachen und zu verfolgen. An dem preußischen Militär hatte der geheime Akatholizismus in Nordostböhmen zwar einen moralischen Rückhalt, der jedoch für Pita nicht in Betracht kam, da seine Grundsätze ebenso wesentlich von der katholischen wie von der protestantischen Lehre abwichen. Pita dürfte aber wohl das Nachlassen des bisherigen zähen Druckes in geistlichen Dingen ausgenützt haben, um auf dem Gebiete von Bidschow und Chlumetz eine eigenwillige Religionsbewegung zu organisieren, für die der Boden offenbar vorbereitet war. Trotzdem dann Pitas Anschauungen in einem verhältnismäßig engen Umkreis eine bedeutende Zahl Gesinnungsgenossen gefunden hatten, hat sich die Sekte, gewiß auch dank der außerordentlichen Zeitumstände, gute vier Jahre verborgen gehalten, bevor sie aufgedeckt wurde. Die Aufdeckung der Sekte rief in Wien offenbar einen erschütternden Eindruck hervor. Maria Theresia, nach ihrer religiösen Gesinnung die echte Tochter ihres Vaters Karls VI., der ein entschiedener, folgerichtiger und unnachgiebiger Feind alles Unkatholischen war, war entschlossen, auch nicht im geringsten von dem bisherigen gesetzlichen Zustand abzuweichen, der jede Abkehr vom Katholizismus als schweres Ver- 83 229

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