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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 228

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 228)
Language
German
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IRI
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geheime Akatholiken waren.70 Von dem Stifter der Sekte, dem Chudonitzer Schneider Johann Pita, behaupten dagegen die Quellen ausdrücklich , daß er im katholischen Glauben erzogen und — bis auf den Umstand, daß er kein Schweinefleisch aß — in religiöser Hinsicht (vom katholischen Standpunkt aus) nicht verdächtig war.71 Und doch wäre es in der Tat nicht leicht, den Vorgang aufzuklären, wie Pita innerlich von den christkatholischen Religionsbegriffen zu den jüdischen Anschauungen gekommen, falls wir dabei nicht das Zugeständnis machen wollten, es handle sich um einen durch individuelle Voraussetzungen bedingten Ausnahmefall; solche Voraussetzungen sind sicherlich nicht völlig außer Diskussion zu stellen, doch heute ist davon nichts bekannt. Die Unsicherheit, auf welchem inneren Wege Pita dazukam, die Ruhe seiner Seele auf dem Gebiete jüdisch-religiöser Vorstellungen und Anschauungen zu suchen, wird m. E. auch durch die Herkunft Pitas gesteigert. Oben wurde darauf hingewiesen, daß Pitas Großvater ein Mährer war72 und schon Ant. Rezek hat mit vollem Rechte entgegen der Behauptung Svobodas von der ausschlaggebenden Bedeutung der jüdischen Proselytenmacherei bei der Entstehung unserer Sekte aufmerksam gemacht, daß in Mähren Anschauungen von der Art der Pitaschen viel früher hervorgetreten sind als in Böhmen .7S Es ist daher nicht ausgeschlossen , daß in der aus Mähren nach Chudonitz kommenden Familie Pita dieser mährische „Judaismus" im Unterbewußten schlummerte und daß er in Johann Pita zum Bewußtsein erwachte, als er seine religiösen Anschauungen preisgab und neue im Alten Testamente und bei den Bidschower Juden zu suchen begann. Es kann sicherlich kein Zweifel darüber bestehen, daß die Initiative zu Pitas Beziehungen zu den Bidschower Juden von Pita ausgegangen ist. Unsere Quellen unterrichten uns leider nicht, welchen Charakter dieser Verkehr hatte und ob ihm die Informationen, die ihm von einzelnen Bidschower Juden (Rabbiner Mendl, Jakob Götzl) zuteil wurden, ohne bestimmte Absicht gegeben wurden, oder ob sich die Juden dabei der Tragweite der Sache bewußt waren. Soviel jedoch darf man annehmen, daß die Bidschower jüdischen Informatoren Pita oder dessen Gesinnungsgenossen wohl kaum ihre Religionsbücher zur Verfügung gestellt haben, und zwar aus dem einfachen Grunde, daß diese hebräisch waren, so daß die Sektierer sie nicht verstehen und gebrauchen konnten (und auch die deutschen Bücher waren vermutlich den Sektierern sprachlich unverständlich). Die Stelle in der Relation des Bidschower Dechanten Escherich darüber, daß der Prasker Kantor beim Schäfer Johann Vacek im Tische ein Buch gefunden habe, in welchem er die Auslassung über eine außereheliche Empfängnis Christi las, ist so allgemein, daß sie zum Beweise, es habe sich in der Tat um ein Buch jüdischer Herkunft gehandelt, nicht ausreicht. 81 227

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