Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 227)
- Language
- German
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Sphäre machte, eine ähnliche oder vielleicht noch stärkere Abneigung kann man auch im entgegengesetzten Falle wahrnehmen. Die Juden wurden an der Proselytenmacherei nicht bloß durch die Furcht vor den schweren Folgen, die ihnen in diesem Falle seitens der Obrigkeit drohten, sondern auch durch den elementaren, bewußten, bzw. instinktiven Separatismus dem christlichen Milieu gegenüber gehindert, der sich noch um die Mitte des XVIII. Jahrhunderts in voller Stärke geltend machte. Die Entstehung der Sekte der sog. Bidschower Israeliten zeigt allerdings eine gewisse Annäherung zwischen den christlichen und den jüdischen Religionsanschauungen, doch war sie nur auf einige Dutzend Personen beschränkt und überschritt nicht ein gewisses Maß, hinter dem die sonstigen grundsätzlichen Unterschiede geistiger und anderer Art unberührt in voller Geltung blieben. Es genügt auf Pitas Einstellung zur Beschneidung hinzuweisen, die sich mit der jüdischen Orthodoxie nicht vereinigen läßt, und man muß annehmen, daß Pitas Standpunkt auch von den übrigen Sektierern geteilt wurde. Die Behauptungen in der Literatur, insbesondere bei Svatek, daß auf den geheimen Zusammenkünften der Sektierer sowohl an Kindern als auch an Erwachsenen die Beschneidung vollzogen wurde, erscheinen, wie wir gesehen haben, in unseren Quellen nicht belegt und gehören vermutlich entweder in das Reich irriger Voraussetzungen (Rezek) oder sensationslüsterner Erfindungen. Für die Erklärung des Ursprungs der Sekte der sog. Bidschower Israeliten verdient sicherlich Beachtung der bereits wiederholt zitierte Ausspruch des Königgrätzer Konsistoriums vom 23. März 1752 gegen Magdalena Rockin,68 worin die Verteidigung der Pitaschen Sekte unter die Kennzeichen hussitischer oder lutherischer Irrlehren eingereiht wird .69 Es wird wohl in der Tat kaum zu bestreiten sein, daß unsere Sekte der Umwelt des geheimen Akatholikentums im Gebiete von Bidschow und Chlumetz entsprungen ist, mit dessen bescheiden erhaltenen Resten wir uns im vorigen Kapitel vertraut gemacht haben, des geheimen Akatholikentums, das zersetzt war durch eine langdauernde religiöse Verfolgung, durch den Mangel an religiöser Unterweisung, durch die Abbröckelung fester religiöser Vorstellungen und zugleich durch das fast krankhafte Verlangen, neue sichere Wege zum Heile der Seele aufzufinden. Daß die Sekte der sog. Bidschower Israeliten im Milieu des geheimen Akatholikentums auf dem Gebiete von Bidschow und Chlumetz entstanden ist, ist allerdings nur eine Voraussetzung, für welche zwar alle inneren Gründe sprechen, die man aber nicht durch quellenmäßige Belege beweisen kann. Unter den inquirierten Gesinnungsgenossen Johann Pitas, deren Namen wir kennengelernt haben, kann man bei dem heutigen Stande der Quellenkeiintnis nur bezüglich der Söhne des Ciliarer Schäfers Lukas Volny aus dem Chlumetzischen behaupten, daß sie vermutlich 226 80