Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 225)
- Language
- German
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schower Israeliten" für Pita und Genossen belegt; sie stammt ebenso wie die Bezeichnung „Abrahamiten" erst aus den Achtzigerjahren des XVIII. Jahrhunderts (das oben Anm. 12 zu Kap. II zitierte Dekret des Königgrätzer Konsistoriums vom 23. März 1752 spricht von der sog. jüdischen Sekte). Josef Svätek in seiner keineswegs wählerischen Phantasie gibt allerdings Pita nur für den agilsten Mitarbeiter Mendls aus. Ebenso phantastisch ist auch die Erklärung Sväteks, der hauptsächlichste Entstehungsgrund der Sekte sei die Ausweisung der Juden aus Prag und Böhmen durch Maria Theresia im Jahre 1745 gewesen, worauf viele Stadtjuden in den Dörfern ihre Zuflucht gesucht und die jüdischen Eiferer dort, ähnlich wie im Jahre 1689, ihre proselytenmacherischen Bestrebungen entfaltet haben sollen. Ich hatte schon vor einiger Zeit Gelegenheit darauf hinzuweisen,62 daß die Behauptung, die Prager Juden hätten sich, als sie nach Vernichtung ihres Ghettos durch den katastrophalen Brand des Jahres 1689 vorübergehend in Christenhäusern untergebracht waren, unter der christlichen Bevölkerung Prags proseJytenmacherisch betätigt, als unerwiesen betrachtet werden müsse, denn der Prager Erzbischof, der diese Pauschalbeschuldigung gegen die Juden erhoben hatte, vermochte sie, trotz zweimaliger Aufforderung der Regierung, konkrete Fälle anzuführen , nicht zu beweisen. Die Anschuldigung wegen proselytenmacherischer Absichten unter dem christlichen Volke bildete überhaupt eine Hauptwaffe im Arsenal des nachweißenbergischen Antisemitismus, immer handelte es sich jedoch um allgemeine Anschuldigungen, für die man nicht einen einzigen Beweis beizubringen vermochte und die man daher in das Gebiet des antisemitischen Aberglaubens jener Zeit verweisen muß. Sväteks Hinweis auf angebliche proselytenmacherische Bestrebungen der Prager Juden vom Jahre 1689 hat also nicht das geringste Gewicht; viel eher dürfte man umgekehrt argumentieren: falls man die proselytenmacherischen Bestrebungen der Juden vom Jahre 1689 nicht erweisen kann, so hat man für sie auch keinen Beweis bei der Entstehung der Sekte der sog. Bidschower Israeliten. Ebenso unbelegt und unzutreffend erscheint die weitere grundsätzliche Voraussetzung von Sväteks Behauptung, die Prager Juden, vertrieben durch die Edikte Maria Theresias vom Jahre 1744 und 1745, hätten sich in größerer Zahl auf den Dörfern der Bidschower und der Chlumetzer Herrschaft angesiedelt, wo, wie wir erfahren haben, ohne allen Zweifel das Zentrum der Sekte war. Die jüngst erschienene gründliche Studie von Dr. Josef Bergl hat uns eingehend darüber unterrichtet daß ein Großteil der ausgewiesenen Prager Juden in der näheren oder ferneren Umgebung von Prag64 verblieb und daß sich nur etwa tausend Juden über das Land zerstreuten, keineswegs aber über die Dörfer, sondern über die alten 224 78