Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 224)
- Language
- German
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würden. Soviel ist aber sicher, daß der Prozeß mit Rabbiner Mendl für sich geführt wurde und daß die Entscheidung über sein Schicksal — und auch das ist auffallend — ziemlich spät fiel. Erst am 7. März 1750 wurde der alte Rabbiner Mendl in Prag hingerichtet: er wurde auf dem Scheiterhaufen an einen Pfahl geschmiedet und so verbrannt.. Die Darstellung des in den Jahren 1747—1748 mit der Sekte der sog. Bidschower Israeliten durchgeführten Prozesses nach den heute zugänglichen amtlichen Dokumenten zeigt, wenn auch merkliche Lücken bleiben, sicherlich völlig verläßlich, daß die Behauptung von P. Svoboda und insbesondere die Behauptung von J. Svätek, als ob unsere Sekte die Frucht jüdischer Proselytenmacherei, ein Ergebnis planmäßiger jüdischer Agitation sei, durch welche die christliche Bevölkerung für das Judentum hätte gewonnen werden sollen, in den Quellen keine beweiskräftige Stütze findet und daß man sie für eine rein willkürliche Konstruktion halten muß, mag sie nun einem platten Antisemitismus entspringen (P. Svoboda) oder der Neigung nach schaler Sensation (J. Svätek). Ebenso bleibt unbewiesen die gleichfalls schon erwähnte Behauptung Helferts von „geheimen" Zusammenkünften der Christen und Juden an unterschiedlichen Orten des Bidschower Kreises, bei denen das Gesetz Mosis verkündet und die gewonnenen Sektierer sogar durch die Beschneidung dem Judentum einverleibt worden sein sollen, sowie die Bemerkung von Adämek, die von Josef Svätek phantastisch ausgeschmückt wurde, über den berüchtigten jüdischen Agitator Mendl, der das gemeine Volk zum Übertritt zu den Israeliten mit beredten Worten angeeifert haben soll. Ebensowenig findet eine quellenmäßige Stütze die Vermutung Helferts, unter den Sektierern hätten sich vielleicht auch vereinzelt gebürtige Juden befunden, die sich um weltlicher Vorteile willen oder um Bedrückungen auszuweichen zum Christentum gemeldet hätten. Unbelegt ist schließlich auch die Behauptung Svobodas, Pita sei „zum israelitischen Glauben durch den Rabbiner Mendl verführt worden" . Übrigens ließ sich aus den vorausgeschickten Andeutungen bereits hinreichend klar ersehen, daß von irgendeiner gänzlichen Rezeption der jüdischen Religionsanschauungen, Vorstellungen und Gebräuche durch Pita und seine Gesinnungsgenossen keine Rede sein kann. Man darf also weder die moralische noch die intellektuelle Urheberschaft der Sekte der sog. Bidschower Israeliten im jüdischen Ghetto suchen, sondern muß sie in der christlichen Umwelt suchen. Die Bidschower Juden spielten bei der Entstehung der Sekte sicherlich nur eine passive Rolle, Initiator und Schöpfer der Sekte war ohne jeden Zweifel der Chudonitzer Schneider Johann Pita, wie das auch in dem Urteil des Königgrätzer Konsistoriums d. d. 23. März 1752 über die Magdalena Rockin aus Neubidschow zum Ausdruck kommt.61 Übrigens ist nicht einmal die Bezeichnung „Bid- 77 223