Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 220

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 220)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2644300-2644311--3597-2647945
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die kirchliche Macht in Böhmen vermochte sich freilich mit dieser Niederlage nicht abzufinden, da ihr so ein wesentliches Stück ihrer Machtbefugnis zugunsten der weltlichen Macht entzogen wurde. Eine Gelegenheit zum Versuche, wenigstens ein Stück der verlorenen Position wiederzugewinnen , bot ihr eben der Prozeß mit der Sekte der sog. Bidschower Israeliten. Dazu führte zweifellos die Hoffnung, die neue Landesfürstin, erzogen in streng und kompromißlos katholischem Geiste, werde sich der Kirche gegenüber nachgiebiger zeigen als ihr Vater, der auf Kosten der kirchlichen Machtbefugnis die Vorrechte der weltlichen Macht erweiterte. Doch diese Hoffnungen schlugen völlig fehl. Einmal hatte die böhmische Kirchenadministrative ihre Restitutionsansprüche zu einer Zeit geltend gemacht, die alles andere als günstig war, denn sie konnte sich nicht einmal auf ein Verdienst bei der Aufdeckung der Sekte berufen, und abgesehen davon erwies sich Maria Theresia bei der Verteidigung ihrer Vorrechte mindestens ebenso zähe wie ihr Vater. Und so erlitt die kirchliche Macht in Böhmen in den Jahren 1747 und 1748 mit ihren Ansprüchen eine ebenso empfindliche Niederlage wie zur Zeit des Erzbischofs Khünburg. Und auch der scharfe Verweis, den, wie wir bereits gehört haben, das Excitatorium Maria Theresias der kirchlichen Verwaltung der Königgrätzer Diözese ausgesprochen hat, unterschied sich gar nicht sonderlich von dem Vorwurf, den weiland Karl VI. in seinem Schreiben vom 28. Dezember 1725 dem Erzbischof Khünburg gemacht hat,50 und dieser Tadel kam dann, wenn auch in einer etwas abgeschwächten Form, in dem Reskript Maria Theresias an den Prager Erzbischof vom 27. August 1748 wieder zum Vorschein. Die weltliche Macht bürdete die moralische Schuld für das bedeutende Anwachsen der Sekte der kirchlichen Administrative in der Königgrätzer Diözese auf und forderte sogar in befehlendem Tone von dem Königgrätzer Bischof die Bestrafung jener, auf welche nach ihrer Überzeugung die Verantwortung fiel, des Königgrätzer Konsistoriums, des Bidschower Dechanten und anderer Pfarrherren, in deren Sprengel die Sekte vorgekommen war. So beantwortete die weltliche Macht den Versuch der kirchlichen Administrative in Böhmen, ihre Anteilnahme an den Prozessen mit Akatholiken zu erneuern, mit einem heftigen Gegenangriff, dem die kirchliche Macht nicht mit Erfolg entgegentreten konnte. Es verdient Beachtung, daß der angedeutete Restitutionsversuch der kirchlichen Administrative in Böhmen nicht von dem Königgrätzer Konsistorium ausging, sondern von dem Konsistorium zu Prag. Dieses ersuchte am 15. Juni 1747 das Prager Appellationsgericht, ihm sämtliche Untersuchungsakten mit den Anhängern der „jüdischen Sekte" zu dem Zwecke zu übersenden, damit die kirchliche Administrative ihre Unter- 73 219

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.